Was haben BIP, PISA und h-Index gemeinsam?

Wir Menschen besitzen die erstaunliche Fähigkeit, uns das Leben schwerer zu machen, wenn wir versuchen, es uns einfacher zu machen. Was vor allem daran liegt, dass wir darin unschlagbar sind, Mühe, Komplexität und Reflexion auszuweichen. Das lässt sich alles evolutionstheoretisch ganz gut erklären – nichtsdestotrotz führt es gerade in unserer wahnsinnig komplex gewordenen Welt häufig zu Problemen. Ein interessantes Beispiel ist unser Umgang mit eigentlich nützlichen Messgrößen, die wir missbrauchen, weil sie so schön klar und deutlich sind. Weiterlesen

Das Henne-Ei-Problem der Entwicklungspolitik

Ein kürzlich angesehener Vortrag des Schweden Hans Rosling hat mich an ein Problem erinnert, das seit Jahrzehnten entwicklungspolitische Debatten bestimmt – gewissermaßen ein Henne-Ei-Problem der Entwicklungspolitik. Was kommt zuerst/sollte zuerst kommen: Steigerung des Einkommens oder Steigerung in anderen Wohlstandsparametern? Wohl wissend, dass „the plural of anecdote is not data“, würde ich gern ein paar Belege vorstellen, die die These stützen, dass die Steigerung des Einkommens keine Voraussetzung für die Steigerung des breiter verstandenen Wohlstands ist, entgegen den üblichen Empfehlungen internationaler Organisationen wie die Weltbank oder der Internationale Währungsfonds.

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5 Jahre Skeptische Ökonomie

Gerade eben wurde mir von WordPress mitgeteilt, dass ich seit inzwischen genau 5 Jahren einen Blog bei ihnen habe. Da habe ich mich an meine Alma mater erinnert gefühlt, die Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, die sich als 1502 gegründet versteht (Gründungsjahr der Universität Wittenberg), obwohl in Wittenberg kein regulärer Universitätsbetrieb stattfindet und die Geschichte der Uni von 1502 bis heute keineswegs stetig verläuft (Interessierten empfehle ich den Wikipedia-Eintrag zur MLU). So betreffen die 5 Jahre auch bei mir sowohl den alten englischen Blog als auch den aktuellen deutschen. Immerhin gab es bei mir keinen klaren Bruch und thematisch einen mehr oder minder fließenden Übergang zwischen den beiden – in diesem Sinne bin ich der MLU voraus. Was macht man denn so anlässlich des fünften Blog-Geburtstags? Man veröffentlicht eine Liste von Beiträgen, auf die man besonders stolz ist (steht zumindest so im Bloggen für Dummies-Guide, gleich hinter „Auf der Suche nach einem guten Titel? Suche Inspiration auf bild.de“). Also dann: Weiterlesen

Der Ziegeneffekt und Glücksforschung

Eines Tages kommt Mosche zum Rabbiner und sagt: „Rabbi, hilf mir! Du weißt, ich habe eine große Familie, aber ein kleines Häuschen mit nur einer Stube. Ich weiß nicht mehr, wie ich das aushalten soll! Die Kinder sind laut, die Frau ist laut, es ist eng… Ich werde noch wahnsinnig!“ Der Rabbiner überlegt kurz und sagt: „Mosche, du hast doch eine Ziege. Lass sie aus ihrem Verschlag in euer Haus umziehen. In einer Woche komm noch einmal zu mir.“ Mosche erscheint der Vorschlag absurd, aber er weiß um die Weisheit des Rabbiners, also geht er nach Hause und tut, was ihm gesagt wurde. Eine Woche später kommt er völlig erschöpft und nahe am Nervenzusammenbruch zum Rabbiner: „Rabbi, das war ja schon vorher schlimm, aber mit der Ziege ist es nicht mehr auszuhalten! Die ist noch viel lauter als die Kinder und macht alles kaputt!“ Der Rabbiner antwortet: „Nun, Mosche, geh nach Hause und bring die Ziege zurück in ihren Verschlag.“ Einen Tag später kommt Mosche zum Rabbiner angerannt und ruft bereits von der Türschwelle: „Rabbi, du bist ein Genie! Seit die Ziege weg ist, ist es wieder so unglaublich ruhig und entspannt!“

In meiner Familie wird das Phänomen, das in dem oben zitierten Witz beschrieben wird, schlicht der „Ziegeneffekt“ genannt. Man könnte ihn aber auch hochtrabend als „dynamische Anpassung von Erwartungen“ bezeichnen. Unabhängig von der Nomenklatur hat dieser in der realen Welt recht verbreitete Effekt interessante Folgen für die sog. Glücksforschung, insbesondere Versuche, subjektive Wohlstandsindikatoren zu entwickeln. Weiterlesen