Peer-Review als soziales Dilemma

Auch wenn sich (fast) alle einig sind, dass es eine extrem problematische Verkürzung ist, wissenschaftliche Arbeit auf bibliometrische Statistiken (Publikationszahlen, Zitationen, h-Index) zu reduzieren, so werden Wissenschaftler*innen trotzdem vor allem daran gemessen, wie viel sie publizieren und welchen Impact Factor die Zeitschriften haben, in denen sie es tun. Weil dies vergleichsweise einfach zu messen ist. So sind Menschen im Vorteil, die (a) gut vernetzt sind (und daher oft eingeladen werden, ein paar Zeilen zu einem Artikel beizusteuern; außerdem werden sie dann relativ häufig von ihren vielen Kolleg*innen zitiert), (b) ein Talent für die Wiederverwertung ihrer Forschungsergebnisse haben (es ist erstaunlich, wie viele Artikel man aus einer Studie machen kann, wenn man sie geschickt portioniert) und nicht zuletzt (c) denen das Aufschreiben ihrer Forschungsergebnisse leicht fällt. Des Weiteren gibt es Unterschiede in der „typischen“ Publikationsintensität (einschließlich des Zitationspotenzials) je nach Disziplin, Art der Forschung (konzeptionell–theoretisch vs. empirisch; Grundlagen- vs. angewandte Forschung) und Thema. Doch selbst wenn man von all diesen Problemen der „Output-Fokussierung“ absieht, fällt dabei zusätzlich die Kehrseite der wissenschaftlichen Publikationstätigkeit unter den Tisch – der Peer-Review. Dabei ist seine Bedeutung für die Wissenschaft kaum zu überschätzen. Weiterlesen

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Marktmacht der Wissenschaftsverlage: Drei kurze Anekdoten

Bis zur Entfristung (üblicherweise: Professur) gilt für einen jeden Wissenschaftler das Credo: „Publish or perish!“ Dies führt zu mannigfaltigen Problemen. Zum einen wird dieses Prinzip oft sehr quantitativ interpretiert – je mehr, desto besser. Qualität ist schwer messbar und daher nebensächlich. Zum anderen bedeutet es, dass Wissenschaftsverlage in vielen Situationen am längeren Hebel sitzen – denn ohne sie geht das so wichtige Publizieren (bisher) kaum. Diese Marktmacht lässt sich sehr gut ausnutzen. Weiterlesen

Was haben BIP, PISA und h-Index gemeinsam?

Wir Menschen besitzen die erstaunliche Fähigkeit, uns das Leben schwerer zu machen, wenn wir versuchen, es uns einfacher zu machen. Was vor allem daran liegt, dass wir darin unschlagbar sind, Mühe, Komplexität und Reflexion auszuweichen. Das lässt sich alles evolutionstheoretisch ganz gut erklären – nichtsdestotrotz führt es gerade in unserer wahnsinnig komplex gewordenen Welt häufig zu Problemen. Ein interessantes Beispiel ist unser Umgang mit eigentlich nützlichen Messgrößen, die wir missbrauchen, weil sie so schön klar und deutlich sind. Weiterlesen

Was macht einen guten Wissenschaftler aus?

Es ist jedenfalls eher nicht die Bereitschaft, auf Stabilität und Familienleben zu verzichten. Auch nicht wirklich die Fähigkeit, mit Unsicherheit im eigenen Leben umzugehen. Doch dies sind Eigenschaften, die man mitbringen sollte, wenn man in Deutschland Wissenschaftler werden möchte.

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