Wie Elsevier meine Publons-Statistik kaputt macht

Vor einer Weile beschlossen deutsche Hochschulen und Forschungsinstitutionen, dass es nicht angeht, dass Ergebnisse öffentlich finanzierter Forschung sich hinter Paywalls verstecken; sowie dass gegen die Marktmacht der großen Wissenschaftsverlage (allen voran Elsevier) irgendwas getan werden muss. Also wurde DEAL gegründet: ein Verbund deutscher Wissenschaftsorganisationen, der in Verhandlungen mit den drei Großverlagen Elsevier, Springer Nature und Wiley getreten ist, um einheitliche, faire Bedingungen für die Veröffentlichung von Forschungsergebnissen zu erreichen. Während Spinger und Wiley sich sofort kooperativ zeigten, sperrt Elsevier, der größte und berüchtigste Wissenschaftsverlag der Welt, sich konsequent.

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Publikationsdruck und die Qualität der Forschung

In den meisten Ländern ist die letzte Stufe der formalen akademischen Qualifikation die Promotion. Deutschland gehört zu der Handvoll Länder, in denen es nach dem Doktor weitergeht – erst mit einer Habilitation hat man keine Möglichkeit mehr, einen höheren akademischen Grad zu erreichen. Kürzlich hatte ich zwei aufschlussreiche Gespräche bezüglich meiner eigenen Pläne, in näherer Zukunft zu habilitieren. Beide führten mir ein Problem vor Augen, unter dem das heutige Wissenschaftssystem leidet – den Überhand nehmenden Publikationsdruck, dem vor allem Nachwuchswissenschaftler*innen unterliegen. Weiterlesen

Die „Logik“ von Elsevier

Elsevier ist nicht gerade populär. Dieser größte aller Wissenschaftsverlage (ca. 3500 Fachzeitschriften) besitzt eine beispiellose Monopolstellung und gilt im Vergleich zu den anderen Großverlagen (Springer, Wiley…) als besonders „schwierig“ (siehe z. B. hier). Gerade befindet er sich in zähen Verhandlungen mit dem deutschen DEAL-Konsortium, bei denen es u. a. um faire Preise und Open Access geht (aktuelle Meldung bei Nature). Ein häufiger Kritikpunkt ist die zunehmend schlechte Qualität der Leistungen, für die Elsevier dann so horrende Preise fordert. Ein Beispiel dafür ist die „Logik“, nach der Elsevier Ausgaben von Zeitschriften zusammenstellt. Weiterlesen

Peer-Review als soziales Dilemma

Auch wenn sich (fast) alle einig sind, dass es eine extrem problematische Verkürzung ist, wissenschaftliche Arbeit auf bibliometrische Statistiken (Publikationszahlen, Zitationen, h-Index) zu reduzieren, so werden Wissenschaftler*innen trotzdem vor allem daran gemessen, wie viel sie publizieren und welchen Impact Factor die Zeitschriften haben, in denen sie es tun. Weil dies vergleichsweise einfach zu messen ist. So sind Menschen im Vorteil, die (a) gut vernetzt sind (und daher oft eingeladen werden, ein paar Zeilen zu einem Artikel beizusteuern; außerdem werden sie dann relativ häufig von ihren vielen Kolleg*innen zitiert), (b) ein Talent für die Wiederverwertung ihrer Forschungsergebnisse haben (es ist erstaunlich, wie viele Artikel man aus einer Studie machen kann, wenn man sie geschickt portioniert) und nicht zuletzt (c) denen das Aufschreiben ihrer Forschungsergebnisse leicht fällt. Des Weiteren gibt es Unterschiede in der „typischen“ Publikationsintensität (einschließlich des Zitationspotenzials) je nach Disziplin, Art der Forschung (konzeptionell–theoretisch vs. empirisch; Grundlagen- vs. angewandte Forschung) und Thema. Doch selbst wenn man von all diesen Problemen der „Output-Fokussierung“ absieht, fällt dabei zusätzlich die Kehrseite der wissenschaftlichen Publikationstätigkeit unter den Tisch – der Peer-Review. Dabei ist seine Bedeutung für die Wissenschaft kaum zu überschätzen. Weiterlesen

Good publisher, bad publisher?

Ich habe in letzter Zeit mehrmals über Wissenschaftsverlage und die mit ihnen verbundenen Probleme geschrieben. Im aktuellen Newsletter der European Society for Ecological Economics fand ich einen sehr interessanten Austausch zwischen Gaël Plumecocq und Clive Spash zu diesem Thema, den ich hier reposten möchte. Es geht dabei u. a. darum, ob alle Wissenschaftsverlage gleich „böse“ sind und ob Open Access die Lösung ist. Weiterlesen

Warum es OK ist, Sci-Hub zu nutzen (obwohl es illegal ist)

Zur wissenschaftlichen Arbeit gehört ganz wesentlich das Lesen. Da ärgert man sich schon des Öfteren, wenn ein relevant erscheinender Artikel sich hinter einer Paywall befindet. Jede wissenschaftliche Institution bietet über ihre Bibliothek Zugang zu verschiedenen Fachzeitschriften; der Zugang wird in der Regel in Paketen von großen Wissenschaftsverlagen gekauft. Diese Pakete decken aber nicht alle potenziell relevanten Zeitschriften ab. Wenn der uns interessierende Artikel in einer Zeitschrift erschien, zu der wir keinen Zugang haben, gibt es einige Optionen. Die schnellste, allerdings illegale ist Sci-Hub. Weiterlesen

The Art of the Reply

Früher war bekanntlich mehr Lametta. Und obwohl die in allen möglichen Kontexten vorkommenden Beschwerden, früher wäre alles besser gewesen, sich bei näherem Hinschauen und Überprüfung allzu oft als retrospektive Täuschung herausstellen – hin und wieder trifft die Feststellung doch zu. Zum Beispiel: früher wurden in ökonomischen Fachzeitschriften viel mehr Repliken veröffentlicht, als dies heutzutage der Fall ist. Weiterlesen

Hauptsache Nature oder Science!

Ende April 2017, ein hochprominentes Forschungsinstitut irgendwo in Mitteldeutschland. Eine Gruppe größtenteils erfahrener Wissenschaftler*innen, darunter ein paar Vertreter*innen der Naturwissenschaften, die meisten jedoch Sozialwissenschaftler*innen, trifft sich zu einem eintägigen Workshop. Ziel: gemeinsames Paper. Grobes Thema: eine bestimmte Schnittstelle zwischen Natur- und Sozialwissenschaften. Hintergrund: der Workshop soll helfen, eine neue Professur an dem hochprominenten Forschungsinstitut zu definieren. Aber eigentlich geht es darum – das wird recht bald ersichtlich -, um jeden Preis eine gemeinsame Publikation zu generieren. Möglichst hochrangig. Anvisiertes Ziel: Nature oder Science. Weiterlesen

Impact Factor bedeutet nichts!

Ich habe gerade den ultimativen, definitiven Beweis (it’s true, it’s great, believe me) gefunden, dass der Impact Factor (IF) einer Fachzeitschrift nichts darüber sagt, wie gut die in ihr veröffentlichten Artikel sind:

06.02.2016: desk rejection* meines Artikels Are diverse ecosystems more valuable? durch Land Economics (IF 1,365); Begründung: „We believe that the work does not offer sufficient advancement of conceptual or empirical insights to warrant publication in Land Economics.“

12.07.2016: desk rejection einer überarbeiteten Version desselben Artikels durch Ecological Economics (IF 3,227); Begründung: „We consider that its contribution to the literature is not enough to justify a publication.“

17.02.2017: Annahme einer erneut überarbeiteten Version desselben Artikels nach zwei peer-review-Runden durch Ecosystem Services (IF 4,307)

q.e.d.

*Ablehnung bereits durch den Editor, ohne einen Begutachtungsprozess