Degrowth, Landwirtschaft und GMOs

Vor nicht allzu langer Zeit habe ich versprochen, hin und wieder aus der eigenen Forschung zu berichten. Gerade bietet sich die erste Gelegenheit: ich habe die schnellste Publikation meiner Karriere veröffentlicht bekommen. Und das auch noch zu einem interessanten Thema.

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Ist Wirtschaftswachstum vorbei?

…the most important economic question of all – what will economic growth be like over the next couple of generations?

Man sehe sich dieses Zitat von Larry Summers, dem wichtigsten Wirtschaftsberater Barack Obamas und einem der prominenteren Ökonomen unserer Zeit, an und behaupte, die Ökonomen litten nicht unter einem Wachstumsfetischismus. Dennoch werden immer mehr Ökonomen – Summers eingeschlossen – zunehmend pessimistisch über Möglichkeiten künftigen Wachstums. Die Begründungen sind allerdings nicht, wie bei den „üblichen Verdächtigen“ aus der degrowth-Szene, normativ (Wachstum sollte aufhören wegen seiner negativen Begleiterscheinungen wie soziale Ungerechtigkeit, Umweltzerstörung etc.), sondern rein positiv – die betreffenden Kommentatoren sind schlicht und einfach der Meinung, die kurze „Wachstumsepisode“ der Menschheitsgeschichte könnte sich allmählich dem Ende nähern. Weiterlesen

Profite, Zinsen und Wachstum

Kapitalismus ist die Wurzel alles Bösen. Dies ist eine altbekannte „Wahrheit“, der man im wachstumskritischen Diskurs recht häufig begegnet, nolens volens. Alles, was schlecht ist, wird dem Kapitalismus zugeschrieben, und alles, was „kapitalistisch“ anmutet, muss schlecht sein. Folgerichtig wird auch oft behauptet, man sei innerhalb eines kapitalistischen Systems zum Wachstum verurteilt – und dauerhaftes Wachstum ist bekanntlich ein Problem. Daher müsse man den Kapitalismus überwinden. Ob dies im Allgemeinen stimmt, wurde hier bereits einmal diskutiert. Heute widmen wir uns zwei speziellen Attributen des Kapitalismus, die uns vermeintlich zum Wachstum „verdammen“: Profitorientierung und Zinsen. Weiterlesen

Das andere Wachstumsdilemma – „schrumpfen oder ignorieren?“

Das derzeitige ökonomische System, einschließlich der dazugehörigen Konsumkultur, ist nicht nachhaltig. Egal, ob wir ökologische, soziale oder finanzielle Nachhaltigkeit im Sinn haben – die Diagnose ist relativ unkontrovers. Irgendwas muss sich ändern. Es sind die Therapievorschläge, die Kontroversen erwecken. Entkopplung, d.h. Effizienz und eventuell Konsistenz, sagen die Einen. Degrowth, d.h. Schrumpfung, Suffizienz und Subsistenz, sagen die Anderen. Und dann gibt es noch solche, wie z. B. Jeroen van den Bergh oder mich, die meinen, dass Entkopplung zwar eine naive Utopie ist, aber degrowth/Schrumpfung auch kein sinnvoller Ansatz, weil auch hier BIP-Wachstum fetischisiert wird, bloß unter umgekehrten Vorzeichen. Ich setze an dieser Stelle voraus, dass Entkopplung zu unwahrscheinlich ist, als dass man vernünftigerweise alles auf ihre Karte setzen könnte, und möchte mich der Frage widmen: schrumpfen oder ignorieren? Weiterlesen

Hoch lebe die Sharing Economy?

Teilen ist heutzutage in aller Munde. Angefangen mit der degrowth-Konferenz im letzten Herbst bis zu Business-Zeitschriften, in denen die Sharing Economy als einer der neuen, „grünen“ Trends gepriesen wird. Selten gibt es einen so breiten Konsens bei der Bewertung gesellschaftlicher Phänomene. Was einen sofort skeptisch machen sollte. Ist das überhaupt ein Konsens? Oder ist das Teilen der Einen nicht gleich der Sharing Economy der Anderen? Meinen Beobachtungen zufolge ist das Problem sogar etwas gravierender: „Teilen“ ist zzt. so en vogue, dass diese Bezeichnung sehr unterschiedlichen Phänomenen angehängt wird, die eigentlich auch sehr unterschiedlich zu bewerten sind. Und nicht unbedingt etwas mit Teilen zu tun haben. Weiterlesen

Kapitalismus und Postwachstum – ein Widerspruch?

Man könnte sagen, es ist die Gretchen-Frage der Postwachstums-/degrowth-Bewegung: wie hat sie es mit dem Kapitalismus? Da diese Bewegung in sich äußerst heterogen ist, sind auch die Antworten sehr unterschiedlich. Da gibt es marxistisch angehauchte Aktivisten, oft Lateinamerikaner, die den Kapitalismus strikt ablehnen, z.B. unter der Fahne des Post-Extraktivismus. Andere scheuen die Begebung in die seichten Gewässer der (Anti-)Kapitalismus-Debatten und halten sich bezüglich der Gretchen-Frage explizit zurück (so z.B. Tim Jackson). Und es gibt sicherlich auch welche, die Kapitalismus und Postwachstum für vereinbar halten, auch wenn ich persönlich noch keinem über den Weg gelaufen bin. Aber: ist diese Frage überhaupt relevant? Und wie lautet denn die Antwort auf sie? Weiterlesen

Und der Fortschritt schreitet fort…

Der Fortschritt ist wie eine Herde Schweine […] eine Herde Schweine, die auf dem ganzen Gehöft herumlaufen. Aus der Existenz dieser Herde ergeben sich verschiedene Vorteile. Es gibt Schinken. Es gibt Wurst, es gibt Speck, es gibt Eisbein in Aspik. Kurzum, Nutzen! Und da braucht man nicht die Nase zu rümpfen, dass alles vollgeschissen ist.

Zwerg Yarpen Zigrin in Andrzej Sapkowskis Die Dame vom See

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Die sozialen Dilemmata des Umweltschutzes

Theoretisch wissen wir (fast) alle, dass wir uns mitten in einer schleichenden Umweltkrise befinden: Klimawandel, Biodiversitätsschwund, Trinkwasserknappheit, zerstörerische Ressourcengewinnung, wachsende Müllberge an Land wie in den Meeren sowie Luft- und Bodenverschmutzung sind in aller Munde. Theoretisch wissen wir ebenfalls, was zu tun ist: Änderung der derzeitigen Konsumkultur, Regionalisierung von Produktionsprozessen, Umstieg auf erneuerbare Energien und nachwachsende Rohstoffe, weniger Verschwendung auf Produktions- wie Konsumseite, technologische und institutionelle Innovationen zur Minderung von Abfallmengen, Steigerung von Recycling-Quoten. Da einige der oben genannten Umweltprobleme globaler Natur sind (allen voran, aber mitnichten nur der Klimawandel), bedarf es auch globaler Lösungen, z.B. in Form von internationalen Abkommen. Soweit die Theorie. In der Praxis scheitert Umweltschutz auf allen Ebenen: internationale Verträge werden nicht abgeschlossen, nationale Gesetzgebungen sind unzureichend, und was die individuelle Ebene anbetrifft, ist es geradezu bezeichnend, dass gerade die überdurchschnittlich umweltbewussten „bildungsnahen“ Bevölkerungsschichten die größten ökologischen Rucksäcke mit sich herumschleppen. Warum ist das so? In der Ökonomie – bzw., konkreter, in der Spieltheorie und Institutionenökonomik – gibt es für dieses Phänomen einen sehr passenden Begriff: soziale Dilemmata. Weiterlesen

Einige Kontroversen zur Weihnachtszeit

Um das Weihnachtsloch zu überbrücken, bemüht man oft diverse best-of-Listen. Im ähnlichen Sinne möchte ich heute meine Meinung(en) zu ein paar kontroversen Themen zusammenfassen, über die ich auf dem Vorgänger dieses Blogs geschrieben habe. Gleichzeitig wäre damit die „ideologische Ausrichtung“1 des Letzteren skizziert, was vielleicht dem einen oder anderen Leser die Orientierung erleichtert. Weiterlesen