Bin ich schuld am polnischen Rechtsruck?

Das könnte man offensichtlich meinen. So scheint es jedenfalls eine Person zu sehen, die ich schätze (darum der Beitrag). Warum sollte ich an der polnischen politischen Misere (mit) schuld sein? Weil ich aus meinem Wahlrecht in Polen bewusst keinen Gebrauch mache. Die Frage, ob ich mir damit etwas zuschulden kommen lasse, ist allerdings komplexer, als sie auf den ersten Blick erscheinen mag.

Weiterlesen

Advertisements

Ungarn 2.0?

Vor ein paar Wochen fand in Polen die Parlamentswahl statt, über die ich bereits ein paar Worte verloren habe. Doch trotz meines nicht im geringsten patriotischen Pessimismus bezüglich meiner sogenannten „Heimat“ muss ich gestehen, dass mich überrascht, wie schnell sich Polen in Richtung des Orban’schen Ungarn entwickelt. Dazu ein treffender wie erschreckender Kommentar in der Süddeutschen:

Schon tritt die PiS demokratische Standards und das Recht mit Füßen – etwa durch Angriffe auf kritische Journalisten, die Ausschaltung der Opposition von der Kontrolle der Geheimdienste; vor allem aber durch den Versuch, das Verfassungsgericht zu entmachten – diejenige Instanz also, die der absoluten Macht der PiS noch im Wege steht. [mehr]

Das Paradoxon des misstrauischen Patrioten

Kürzlich fand in meiner sogenannten „Heimat“ die Parlamentswahl statt. Die Ergebnisse sind zwar nicht wirklich überraschend, aber dennoch ernüchternd. Ein unübersehbarer Rechtsruck fand statt – es gibt nun keine einzige linke Partei im polnischen Oberhaus (Sejm), die rechtskonservative PiS errang die absolute Mehrheit. Beides hatte es in dem schon vorher überkonservativen Polen seit ’89 nicht gegeben. Doch nicht über die Wahl wollte ich schreiben – dazu gab es auch in deutschen Medien genug. Was mir in ihrem Kontext auffiel, ist ein (scheinbares?) Paradoxon: der durchschnittliche Pole ist zugleich seinen Mitmenschen gegenüber extrem misstrauisch und ein Patriot bis Nationalist. Weiterlesen

Die unsichtbaren Polen

Ich habe kürzlich einen recht negativ gestimmten Text über meine sogenannte Heimat geschrieben, mit der ich mich kaum noch identifizieren kann. Nun bin ich heute auf einen Text in der taz gestoßen, der eine völlig andere Sichtweise bietet. Ich muss gestehen, dass ich die Probleme, die die Autorin schildert, nicht wirklich nachvollziehen kann – vielleicht eben, weil ich mich weder für „deutsch“ noch für „polnisch“ halte und eine derartige Identität auch gar nicht wichtig finde… Wie dem auch sei, der taz-Text ist auf jeden Fall lesenswert:

Wer Strebermigranten studieren will, der kann uns als Musterfamilie nehmen. Meine Eltern, beide Ärzte, bekamen Arbeit, wir lernten Deutsch, mein Vater stieg auf, meine Mutter weniger, wir bauten ein Haus. Wir fuhren erst einen Mazda, dann einen BMW, dann einen Chrysler, und später eine Limousine von Audi. Ich besuchte ein humanistisches Gymnasium, lernte Klavier und Ballett, mit Polen wollte ich erstmal nichts zu tun haben, ich ging nach Paris und Rom.

Erst viel später, als ich erwachsener wurde, fielen sie mir auf: all die Polen in Deutschland. Meine Generation, Anfang dreißig, die im Kindesalter mit ihren Eltern eingewandert war. Top integriert, erfolgreich, sie wirkten fast deutscher als die Deutschen. [mehr]

Meine sogenannte „Heimat“

Ich verbrachte mehr als die Hälfte meines bisherigen Lebens jenseits der Oder-Neiße-Grenze. In dem Land, in dem gerade eine Sichwahl zwischen Konservativ und Sehr Konservativ stattfand, aus der der neue Präsident Andrzej Duda hervorging. Da ich mit meiner tendentiell negativen Einstellung zu meiner „Heimat“ oft auf Verwunderung stoße und Schwierigkeiten habe, sie spontan zu begründen, nehme ich die Präsidentschaftswahl zum Anlass, mich mit dem Thema in Ruhe zu beschäftigen. Weiterlesen