Economic Valuation of Biodiversity: An Interdisciplinary Conceptual Perspective

Kurze Werbeunterbrechung: das erste Buch meiner wissenschaftlichen Karriere ist gerade erschienen. Ich bin nicht sicher, ob dies ein Erfolgskriterium ist, aber man kann das E-Book bereits bei Amazon kaufen (die Print-Version ist vorerst nur über den Verlag bestellbar).9781138039360

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Ökonomen vs. Naturschützer?

Die Debatte über die ökonomische Bewertung von Natur wird in Deutschland stark geprägt von der Auseinandersetzung zwischen den Umweltökonomen (sowie Vertretern anderer Disziplinen) von Naturkapital Deutschland – TEEB DE einerseits und der Heinrich-Böll-Stiftung andererseits. Besonders häufig wird diese Kontroverse zwischen zwei Personen ausgetragen: meinem Doktorvater und Leiter von Naturkapital Deutschland, Bernd Hansjürgens, sowie Barbara Unmüßig, Vostand der HBS. Auch ich habe mal an dieser Kontroverse teilgenommen. Doch zunehmend komme ich zu dem Schluss, dass, obwohl ich die HBS-Kritik oft überzogen und ungerechtfertigt finde, solche Scharmützel zu leicht vergessen lassen, dass man zumindest kurz- bis mittelfristig ähnliche Ziele verfolgt. Weiterlesen

„You cannot manage what you cannot measure“?

„You cannot manage what you cannot measure“. Der Autor dieser Worte heißt Pavan Sukhdev, ist ehemaliger Manager der Deutschen Bank und derzeit Koordinator und Sprecher der TEEB-Initiative. TEEB steht für The Economics of Ecosystem and Biodiversity und ist ein recht umstrittenes internationales Projekt. Für manche ist es der Versuch zu zeigen, wie ökonomische Bewertung der Natur sinnvollerweise funktionieren kann. Für andere ist es die Quelle alles Bösen bzw. Terrible Economics, Ecosystems and Banking. Und die Behauptung, Naturschutz käme ohne Quantifizierung nicht aus, stößt vielen Naturschützern besonders sauer auf. Man reduziere die Natur auf zählbare, klar voneinander abgrenzende Einheiten, womit ihre inhärente Komplexität verkannt werde. Zudem sei die Quantifizierung der erste Schritt in der vermeintlich logisch zwingenden Kette Quantifizierung → Monetarisierung → Kommodifizierung → Privatisierung → Zerstörung. Weiterlesen

Stop Killing Economic Valuation

Unter dem etwas reißerischen Titel verbirgt sich mein Kommentar zu einer von der Heinrich-Böll-Stiftung veröffentlichten Kritik der ökonomischen Bewertung von Frau Jutta Kill. Leider ignorierte Frau Kill alle kritischen Kommentare in ihrer anschließenden Antwort und bezog sich lediglich auf die wohlwollenden… Wie dem auch sei, hier mein Kommentar nochmal, für die künftigen Generationen:

Let us start with the positive. Jutta Kill is right in pointing out that we are facing daunting ecological and social challenges that hit “places where those affected have contributed least to causing the crisis and where local livelihoods and ways of life are closely tied to – even an integral part of – the nature that is being destroyed.” Weiterlesen

Hausschuhe vs. Teppiche

Es ist einfacher, deine Füße mit Hausschuhen zu schützen, als die ganze Erde mit Teppichen auszulegen.

Dieses etwas aus dem Kontext gerissene Zitat stammt aus dem schönen Büchlein Eine Minute Weisheit des Jesuiten Anthony de Mello. Ich habe es gewählt, weil es eine recht gute, pragmatische Antwort auf eine häufige Kritik ökonomischer Ansätze im Umweltschutz darstellt. Zudem passt es in seiner „Besinnlichkeit“ zur Weihnachtszeit. Einigen wir uns darauf, dass dies mein diesjähriger Weihnachts-Beitrag ist. Weiterlesen

Ökonomisch = Märkte = Kapitalismus = Böse

Was ökonomisch ist, muss mit Märkten zu tun haben. Von Märkten ist es nicht mehr weit zum Kapitalismus, und dieser ist bekanntlich die Wurzel alles Bösen. So einfach kann man sich die Welt erklären – Vertreter der Heinrich-Böll-Stiftung tun dies regelmäßig. Ein aktuelles Beispiel ist das Discussion Paper Economic Valuation and Payment for Environmental Services: Recognizing Nature’s Value or Pricing Nature’s Destruction?, von einer gewissen Jutta Kill verfasst. Ich wurde dazu auserkoren, einen Kommentar dazu zu schreiben, was ich auch tat (eine Antwort der Autorin wurde angekündigt). Ich werde hier nicht den Kommentar zusammenfassen, würde aber gern auf die dem Kill-Text und vielen ähnlichen Publikationen zugrunde liegende „Logik“ eingehen, mit der ich nicht im geringsten einverstanden bin. Weiterlesen

Warum Preisfixierung ökonomische Bewertung notwendig macht

Wir leben in einer sogenannten „Konsumgesellschaft“, in der Konsum sehr viele Funktionen spielt, jenseits der üblichen Befriedigung materieller Bedürfnisse. Konsumgüter sind Statussymbole, Einkaufen dient der Frustrationsbewältigung oder ist schlicht ein Mittel gegen Langeweile. Diese „Kultur des Konsumismus“ ist unschön und aus Sicht mancher Menschen unerwünscht. Ihre Ursachen sind unklar – viele suchen sie im ominösen Kapitalismus. Man könnte jedoch sagen: nun ja, wenn die Menschen es so wollen, sollen sie doch (ich bin nicht sicher, ob diese Herangehensweise korrekt ist, werde sie aber heute als Prämisse für weitergehende Ausführungen nutzen). Problematisch ist allerdings, dass kollektiver Konsumismus Folgen hat, die viele Menschen eigentlich gar nicht zu wollen scheinen – von Umweltzerstörung bis hin zum Verschwinden kleinskaliger Konsumoptionen („Tante-Emma-Laden“) zugunsten anonymer, rein verwertungsorientierter Konsumzentren. Ein Grund dafür ist, dass wir modernen Konsumenten extrem preisfixiert sind und andere Informationen über die gekauften Produkte und Dienstleistungen vernachlässigen. Und das wiederum bedeutet, dass ökonomische Bewertung durchaus sinnvoll sein kann. Weiterlesen

5 Jahre Skeptische Ökonomie

Gerade eben wurde mir von WordPress mitgeteilt, dass ich seit inzwischen genau 5 Jahren einen Blog bei ihnen habe. Da habe ich mich an meine Alma mater erinnert gefühlt, die Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, die sich als 1502 gegründet versteht (Gründungsjahr der Universität Wittenberg), obwohl in Wittenberg kein regulärer Universitätsbetrieb stattfindet und die Geschichte der Uni von 1502 bis heute keineswegs stetig verläuft (Interessierten empfehle ich den Wikipedia-Eintrag zur MLU). So betreffen die 5 Jahre auch bei mir sowohl den alten englischen Blog als auch den aktuellen deutschen. Immerhin gab es bei mir keinen klaren Bruch und thematisch einen mehr oder minder fließenden Übergang zwischen den beiden – in diesem Sinne bin ich der MLU voraus. Was macht man denn so anlässlich des fünften Blog-Geburtstags? Man veröffentlicht eine Liste von Beiträgen, auf die man besonders stolz ist (steht zumindest so im Bloggen für Dummies-Guide, gleich hinter „Auf der Suche nach einem guten Titel? Suche Inspiration auf bild.de“). Also dann: Weiterlesen

Braucht man ökonomische Bewertung?

Zählt man meine Master-Arbeit dazu, beschäftige ich mich seit nunmehr 3 Jahren mit der ökonomischen Bewertung. Seit 2 Jahren besteht mein Ziel (bzw. das meiner Dissertation) darin, sie konzeptionell und teilweise auch methodisch weiterzuentwickeln. Wie ich hier schon des Öfteren kundgetan habe, finde ich, dass ökonomische Bewertung oft zu Unrecht kritisiert wird. Doch das heißt nicht, dass alle Kritik verfehlt ist. Aus meiner Sicht ist die schwierigste Frage, die man mir als „bewertendem Ökonomen“ stellen kann, die nach der Zweckmäßigkeit des Ganzen – wozu braucht man ökonomische Bewertung? Was kann sie tatsächlich leisten? Weiterlesen