Carsharing und die Grenzen der Effizienz-Orientierung

Als umweltbewusster Mensch ohne antimodernistische Tendenzen finde ich die Idee des Carsharing großartig. Ich wollte nie wirklich ein Auto haben, kann es aber nicht leugnen, dass ich gern Auto fahre und dass es hin und wieder praktisch ist, auf eines zurückgreifen zu können. Innerhalb der Stadt braucht man es kaum und zum Reisen meistens auch nicht – aber es gibt eben Ausnahmefälle, sei es ein Urlaub in einer schwer zugänglichen Almhütte oder ein Baumarkt-Einkauf. Aus Sicht der Nachhaltigkeit scheint es also eine tolle Lösung, dass man bei Bedarf ein Auto mieten kann, ohne es besitzen zu müssen. Doch was in Theorie so rosig wirkt, ist in der Praxis leider nur ein Teil der Lösung – und zwar nicht unbedingt der einfachste. Weiterlesen

Nachhaltigkeit bedeutet Verpflichtungen – aber gegenüber wem?

Nachhaltige Entwicklung ist Entwicklung, die die Bedürfnisse der Gegenwart befriedigt, ohne zu riskieren, dass künftige Generationen ihre eigenen Bedürfnisse nicht befriedigen können.

Dies ist die wohl berühmteste und einflussreichste Definition von Nachhaltigkeit. Sie stammt aus dem sog. Brundtland-Bericht Our Common Future. Sie wurde aus vielen Gründen kritisiert, vor allem, weil sie sehr unspezifisch ist. Doch ein weiteres gravierendes Problem ist: wer sind diese „künftigen Generationen“, denen gegenüber wir vermeintlich Verpflichtungen haben? Wer sind sozusagen die Adressaten der Nachhaltigkeit? Weiterlesen

Hausschuhe vs. Teppiche

Es ist einfacher, deine Füße mit Hausschuhen zu schützen, als die ganze Erde mit Teppichen auszulegen.

Dieses etwas aus dem Kontext gerissene Zitat stammt aus dem schönen Büchlein Eine Minute Weisheit des Jesuiten Anthony de Mello. Ich habe es gewählt, weil es eine recht gute, pragmatische Antwort auf eine häufige Kritik ökonomischer Ansätze im Umweltschutz darstellt. Zudem passt es in seiner „Besinnlichkeit“ zur Weihnachtszeit. Einigen wir uns darauf, dass dies mein diesjähriger Weihnachts-Beitrag ist. Weiterlesen

Fairphone – das Smartphone, das Pigou gekauft hätte?

Früher gehörte zu einem Gutmensch ein Jutebeutel, heutzutage ist es das Fairphone. OK, das ist vielleicht ein etwas weit hergeholter Vergleich, aber Tatsache ist, dass man heutzutage nur noch sehr schwer um den Besitz eines Smartphones herumkommt. Und wenn man ein sog. Gutmensch ist, dann entscheidet man sich oft eben für das Fairphone – ein Handy, das mit dem Slogan „buy a phone, join a movement“ wirbt und als das umwelt- und sozialverträglichste gilt, was der Smartphone-Markt zu bieten hat. Weiterlesen

Nationalparke vs. Biosphärenreservate: Welche Natur Natur sein lassen?

Ich kam kürzlich aus dem Feld zurück, wo ich in drei Fokusgruppen erfahren wollte, was Menschen im Thüringer Wald von Biodiversität und ihrem Wert halten. Als Aufhänger für die Diskussionen nutzte ich Vorschläge, im dortigen Biosphärenreservat neue Flächen unter Totalschutz zu stellen, um die Ziele der Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt zu erfüllen. Das Credo der Bewohner des Reservats: Naturschutz und biologische Vielfalt, ja; Totalschutz, nein. Damit widersetzen sich diese Menschen nicht nur der Umsetzung der Biodiversitätsstrategie, sondern auch dem obersten Grundsatz des deutschen Naturschutzes: „Natur Natur sein lassen.“ Weiterlesen

Losing humanity and other questions science doesn’t ask

Ein sehr lesenswerter Text über die Notwendigkeit, als Wissenschaft(ler) vor schwierigen Fragen, auch normativen Fragen nicht zu scheuen. Mit einem Verweis auf einen großartigen Film am Ende;-)

Ideas for Sustainability

By Joern Fischer

Prompted by a recent visit to the US, I am once again wondering what kind of science we ought to be doing for it to be of use in the sense of creating a better, more sustainable world. A woman in the street yesterday wanted me to (financially) support an anti-bullying campaign. She explained to me all the wrongs of school bullying, as well as the substantial legal costs that needed to be covered to fight it. While her cause was worthwhile the whole interaction left me somewhat befuddled – the insanity of appealing to the good will of a few to fix what is systemically messed up seemed almost unbearably pathetic; and a theme that to me (as an outside observer) seems to run through much of the US in particular. Electric cars, good-natured philanthropists and coffee sleeves made of “85% post-consumer fiber” will not fix…

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Grüne Politik = Öko-Diktatur?

Gegner der „Grünen“ (womit ich nicht nur die Partei, sondern auch die Umweltbewegung als Ganzes meine) werfen ihnen häufig vor, eine „Öko-Diktatur“ errichten zu wollen. Ich möchte an dieser Stelle nicht vordergrundig den empirischen Wahrheitsgehalt dieses Vorwurfs untersuchen, sondern es interessiert mich vielmehr die Frage: kann man gleichzeitig liberal und „grün“ sein?

Deutschland auf dem Weg in die Öko-Diktatur?

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Das andere Wachstumsdilemma – „schrumpfen oder ignorieren?“

Das derzeitige ökonomische System, einschließlich der dazugehörigen Konsumkultur, ist nicht nachhaltig. Egal, ob wir ökologische, soziale oder finanzielle Nachhaltigkeit im Sinn haben – die Diagnose ist relativ unkontrovers. Irgendwas muss sich ändern. Es sind die Therapievorschläge, die Kontroversen erwecken. Entkopplung, d.h. Effizienz und eventuell Konsistenz, sagen die Einen. Degrowth, d.h. Schrumpfung, Suffizienz und Subsistenz, sagen die Anderen. Und dann gibt es noch solche, wie z. B. Jeroen van den Bergh oder mich, die meinen, dass Entkopplung zwar eine naive Utopie ist, aber degrowth/Schrumpfung auch kein sinnvoller Ansatz, weil auch hier BIP-Wachstum fetischisiert wird, bloß unter umgekehrten Vorzeichen. Ich setze an dieser Stelle voraus, dass Entkopplung zu unwahrscheinlich ist, als dass man vernünftigerweise alles auf ihre Karte setzen könnte, und möchte mich der Frage widmen: schrumpfen oder ignorieren? Weiterlesen

Diskontieren, Kosten-Nutzen-Analyse und Nachhaltigkeit

Wir Umweltökonomen sind schon eine seltsame Spezies. Wir bepreisen die Natur. Wir betrachten sie als ein Bündel von Gütern und Quelle von Dienstleistungen bzw. als Naturkapital. Wir wägen materiellen Nutzen gegen die so vulgarisierten „Naturwerte“ im Sinne aggregierter Zahlungsbereitschaften ab, um den gesellschaftlichen Nettonutzen verschiedener Projekte „objektiv“ zu erfassen. Wir definieren Nachhaltigkeit auf eine seltsame Art und Weise als einen über die Zeit nicht-abnehmenden Konsumfluss. Und wir diskontieren bzw. zinsen auch noch ab, wodurch wir die Interessen künftiger Generationen „verschwinden lassen“. Haben wir sie denn noch alle? Weiterlesen