Grüne Gentechnik und die Grenzen repräsentativer Demokratie

Kürzlich war ich auf einer sehr interessanten Summer School zum Thema Genome Editing – Beyond the Precautionary Principle?, organisiert vom Institut Technik-Theologie-Naturwissenschaft (TTN) der LMU München. In meinem Vortrag plädierte ich dafür, eine breite und offene gesellschaftliche Debatte über moderne Genome-Editing-Technologien (allen voran CRISPR/Cas) anzustoßen, bevor man mittels „science-based regulation“ die Bevölkerung vor vollendete Tatsachen stellt. Eine ähnliche Argumentation (in verkürzter Form) verwendete ich vor ein paar Tagen in einer Diskussion auf dem Blog von Bauer Willi (hier) – hier wie da stieß ich auf teilweise Ablehnung, die u. a. aus einem meines Erachtens problematischen Demokratie-Verständnis resultiert. In der Tat bietet die grüne Gentechnik eine gute Gelegenheit, über das Wesen der Demokratie nachzudenken.

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Close the GAP?

OK, ich gestehe, der Titel ist mir heute etwas holprig geraten: im Englischen wäre es nämlich eigentlich CAP, gemeint ist nämlich die Common Agricultural Policy (dt. Gemeinsame Agrarpolitik alias GAP) der EU. Die hinter dem holprigen Wortspiel stehende Frage ist nichtsdestotrotz gewichtig: wird das reichliche Drittel des EU-Haushalts, das in das System von Agrarsubventionen fließt, denn sinnvoll verwendet? Und falls nicht, was folgt daraus?

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Degrowth, Landwirtschaft und GMOs

Vor nicht allzu langer Zeit habe ich versprochen, hin und wieder aus der eigenen Forschung zu berichten. Gerade bietet sich die erste Gelegenheit: ich habe die schnellste Publikation meiner Karriere veröffentlicht bekommen. Und das auch noch zu einem interessanten Thema.

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Bioökonomie in einer begrenzten Welt

Mit ihren vielfältigen Möglichkeiten kann die Bioökonomie einen wichtigen Beitrag zur Lösung globaler Probleme leisten. Darunter fallen die Gesundheit und Ernährung einer wachsenden Weltbevölkerung, deren nachhaltige Versorgung mit Energie, Wasser und Rohstoffen sowie der Boden, Klima- und Umweltschutz.

Bioökonomie ist in der EU und insbesondere in Deutschland gerade das Buzzword der Stunde. Sogar das vom BMBF finanzierte Projekt, in dem ich die nächsten paar Jahre arbeiten werde und in dem sich kaum jemand explizit mit diesem Konzept befasst, heißt Boden als nachhaltige Ressource in der Bioökonomie (Bonares). Wie das obige Zitat, das ich der Homepage des Bioökonomierates entnommen habe, suggeriert, soll die Bioökonomie zur Lösung so ziemlich aller Umwelt- und verwandter Probleme beitragen, mit denen wir uns zur Zeit konfrontiert sehen. Weiterlesen

Bio-Landwirtschaft ist schlecht?

Ich bin heute aufmerksam gemacht worden auf ein Video des New Scientist (das man sich hier ansehen können müsste; der dazugehörige Artikel ist leider hinter einer Paywall), das eine einfache und vermeintlich klare Botschaft vermittelt: wenn man den Planeten retten möchte, sollte man aufhören, den gemeinhin als Bio-Lebensmittel bekannten „Unsinn“ (mumbo jumbo) zu kaufen. Die Argumente sind knapp und bestechend: Bio-Landwirtschaft verbrauche mehr Fläche als konventionelle Landwirtschaft, u. a. führe es zu Regenwald-Rodungen, und überhaupt sei Gentechnik die bessere Lösung, weil man mit ihrer Hilfe bspw. die Stickstoffaufnahme-Effizienz von Anbaupflanzen erhöhen könne. Ich habe schon lange nicht mehr eine so einseitige Argumentation gesehen. Weiterlesen

Was ist Gentechnik?

Die Krautreporter haben einen sehr spannenden Text von Nathanael Johnson von Grist übersetzt, der der Frage nachgeht, ob man Gentechnik klar definieren kann. Antwort: nein, nicht ohne sich selbst ins Knie zu schießen.

Über gentechnisch veränderte Organismen wird heiß diskutiert. Aber selten halte wir inne, um eine grundlegende Frage zu stellen: Gibt es überhaupt diese GVOs? Das ist eine wichtige Frage, denn niemand in dieser Diskussion kann wirklich sagen, was genau ein solcher Organismus ist. Ich bin zu dem Schluss gekommen, dass „GVO“ ein kulturelles Konstrukt ist. Es ist schlichtweg eine Metapher. Wir verwenden sie, um über eine Reihe von Ideen zu sprechen. Sie lässt sich nicht genau einer klaren Kategorie der realen Welt zuordnen. [mehr]

Die böse Gentechnik

Inspiriert durch die Diskussion unter diesem Krautreporter-Text möchte ich noch einmal die Geschütze ausfahren gegen die populäre These „(Grüne) Gentechnik ist böse“. Sie ist in Deutschland bzw. generell in Europa sehr verbreitet, was sie aber noch lange nicht richtig macht. Zudem kommt, dass ich sie bis vor nicht allzu langer Zeit selbst vertrat. Auch das macht sie nicht richtig. Über die Richtigkeit dieser These entscheidet vielmehr der Stand der Wissenschaft bzw. im Falle einiger Argumente auch einfach die Logik. Diese Argumente sind die folgenden: Weiterlesen

Bäuerlicher Unmut

Hier eine herzliche doppelte Leseempfehlung zum Thema Landwirtschaft:

Lieber Verbraucher…

und Lieber Verbraucher – was ich verstanden habe…

Dieser zweiteilige Brief eines Bauern an „den Verbraucher“ ist so direkt und kompromisslos, wie er den Nagel auf den Kopf trifft. Er räumt mit vielen Illusionen auf, denen wir uns als Lebensmittelkonsumenten allzu oft hingeben. Absolut lesenswert.