Grüne Gentechnik und die Grenzen repräsentativer Demokratie

Kürzlich war ich auf einer sehr interessanten Summer School zum Thema Genome Editing – Beyond the Precautionary Principle?, organisiert vom Institut Technik-Theologie-Naturwissenschaft (TTN) der LMU München. In meinem Vortrag plädierte ich dafür, eine breite und offene gesellschaftliche Debatte über moderne Genome-Editing-Technologien (allen voran CRISPR/Cas) anzustoßen, bevor man mittels „science-based regulation“ die Bevölkerung vor vollendete Tatsachen stellt. Eine ähnliche Argumentation (in verkürzter Form) verwendete ich vor ein paar Tagen in einer Diskussion auf dem Blog von Bauer Willi (hier) – hier wie da stieß ich auf teilweise Ablehnung, die u. a. aus einem meines Erachtens problematischen Demokratie-Verständnis resultiert. In der Tat bietet die grüne Gentechnik eine gute Gelegenheit, über das Wesen der Demokratie nachzudenken.

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Degrowth, Landwirtschaft und GMOs

Vor nicht allzu langer Zeit habe ich versprochen, hin und wieder aus der eigenen Forschung zu berichten. Gerade bietet sich die erste Gelegenheit: ich habe die schnellste Publikation meiner Karriere veröffentlicht bekommen. Und das auch noch zu einem interessanten Thema.

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Bio-Landwirtschaft ist schlecht?

Ich bin heute aufmerksam gemacht worden auf ein Video des New Scientist (das man sich hier ansehen können müsste; der dazugehörige Artikel ist leider hinter einer Paywall), das eine einfache und vermeintlich klare Botschaft vermittelt: wenn man den Planeten retten möchte, sollte man aufhören, den gemeinhin als Bio-Lebensmittel bekannten „Unsinn“ (mumbo jumbo) zu kaufen. Die Argumente sind knapp und bestechend: Bio-Landwirtschaft verbrauche mehr Fläche als konventionelle Landwirtschaft, u. a. führe es zu Regenwald-Rodungen, und überhaupt sei Gentechnik die bessere Lösung, weil man mit ihrer Hilfe bspw. die Stickstoffaufnahme-Effizienz von Anbaupflanzen erhöhen könne. Ich habe schon lange nicht mehr eine so einseitige Argumentation gesehen. Weiterlesen

Was ist Gentechnik?

Die Krautreporter haben einen sehr spannenden Text von Nathanael Johnson von Grist übersetzt, der der Frage nachgeht, ob man Gentechnik klar definieren kann. Antwort: nein, nicht ohne sich selbst ins Knie zu schießen.

Über gentechnisch veränderte Organismen wird heiß diskutiert. Aber selten halte wir inne, um eine grundlegende Frage zu stellen: Gibt es überhaupt diese GVOs? Das ist eine wichtige Frage, denn niemand in dieser Diskussion kann wirklich sagen, was genau ein solcher Organismus ist. Ich bin zu dem Schluss gekommen, dass „GVO“ ein kulturelles Konstrukt ist. Es ist schlichtweg eine Metapher. Wir verwenden sie, um über eine Reihe von Ideen zu sprechen. Sie lässt sich nicht genau einer klaren Kategorie der realen Welt zuordnen. [mehr]

Mehr Technologie, weniger Ideologie

Wenn man sich die Welt um uns herum ansieht, kann man schon verzweifeln. Wir wissen seit Jahrzehnten, dass wir gravierende ökologische und soziale Probleme haben, global wie lokal. Und trotz der jahrelangen Versuche von degrowth und ähnlichen Bewegungen, den reicheren Teil der Menschheit zum Umdenken, zu weniger Konsum, mehr Subsistenz und Suffizienz zu bewegen, sieht man keine großen Fortschritte. Rhetorisch sind alle dafür, umweltverträglicher zu leben, angefangen mit der „Klimakanzlerin“ Angela M. Aber sobald es um die Praxis geht, sieht es dünn aus, und alsbald irgendjemand in Griechenland oder sonst wo Mist baut, vergessen alle sofort das Klima, die Biodiversität, das Trinkwasser und die Wale. Es ist schwierig, vor diesem Hintergrund nicht desillusioniert zu sein und nicht an der Möglichkeit einer kulturellen Nachhaltigkeitstransformation zu zweifeln. Aber vielleicht gibt es einen anderen Weg? Einen schmerzloseren? Wie wär’s mit technologischen Lösungsansätzen? Weiterlesen

GFSF: Gute Forschung, schlechte Forschung

Als ich vor ein paar Jahren den Essay „The Presumptions of Science“ von Robert L. Sinsheimer las, war ich begeistert. Da schrieb mir jemand aus der Seele: bestimmte Arten von Forschung, insbesondere die Entwicklung bestimmter Technologien, sollten unterlassen werden, weil sie absehbare negative Folgen für die Gesellschaft haben (könnten). Beispiele von Sinsheimer waren v. a. Gentechnik und Atomkraft, heutzutage wären zusätzliche Kandidaten bspw. Geo-Engineering, CCS oder synthetische Biologie. Es mag sein, dass Sinsheimer Recht hatte, dass bestimmte Arten von Forschung sich als „schlecht“ erweisen. Dennoch würde uns ein Versuch, seine Vorschläge praktisch umzusetzen – die auch immer wieder in unterschiedlichen Kontexten so ähnlich gemacht werden – vor schwer überwindbare Praktikabilitätsprobleme stellen. Weiterlesen

Die böse Gentechnik

Inspiriert durch die Diskussion unter diesem Krautreporter-Text möchte ich noch einmal die Geschütze ausfahren gegen die populäre These „(Grüne) Gentechnik ist böse“. Sie ist in Deutschland bzw. generell in Europa sehr verbreitet, was sie aber noch lange nicht richtig macht. Zudem kommt, dass ich sie bis vor nicht allzu langer Zeit selbst vertrat. Auch das macht sie nicht richtig. Über die Richtigkeit dieser These entscheidet vielmehr der Stand der Wissenschaft bzw. im Falle einiger Argumente auch einfach die Logik. Diese Argumente sind die folgenden: Weiterlesen

Einige Kontroversen zur Weihnachtszeit

Um das Weihnachtsloch zu überbrücken, bemüht man oft diverse best-of-Listen. Im ähnlichen Sinne möchte ich heute meine Meinung(en) zu ein paar kontroversen Themen zusammenfassen, über die ich auf dem Vorgänger dieses Blogs geschrieben habe. Gleichzeitig wäre damit die „ideologische Ausrichtung“1 des Letzteren skizziert, was vielleicht dem einen oder anderen Leser die Orientierung erleichtert. Weiterlesen