Das sozialwissenschaftliche Grundproblem der teilnehmenden Beobachtung

Eigentlich ist „teilnehmende Beobachtung“ der Name einer Methode bzw. Herangehensweise der qualitativen Sozialforschung. Gleichzeitig spiegelt der Begriff aber auch ein Grunddilemma nahezu jeder sozialwissenschaftlichen Forschung wider: die Erhebung sozialwissenschaftlicher Primärdaten setzt faktisch immer eine Interaktion mit den „Forschungsobjekten“ (Menschen, individuell oder als Gruppen) voraus; eine neutrale Beobachtung bzw. Datenerhebung ohne Risiko eines invasiven Einflusses ist nicht möglich.

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Warum es OK ist, Sci-Hub zu nutzen (obwohl es illegal ist)

Zur wissenschaftlichen Arbeit gehört ganz wesentlich das Lesen. Da ärgert man sich schon des Öfteren, wenn ein relevant erscheinender Artikel sich hinter einer Paywall befindet. Jede wissenschaftliche Institution bietet über ihre Bibliothek Zugang zu verschiedenen Fachzeitschriften; der Zugang wird in der Regel in Paketen von großen Wissenschaftsverlagen gekauft. Diese Pakete decken aber nicht alle potenziell relevanten Zeitschriften ab. Wenn der uns interessierende Artikel in einer Zeitschrift erschien, zu der wir keinen Zugang haben, gibt es einige Optionen. Die schnellste, allerdings illegale ist Sci-Hub. Weiterlesen

Essentielle Lektüren – eine Typologie

Lesen ist ein zentraler Bestandteil meines Alltags – sowohl beruflich als auch in der Freizeit. Als sog. Wissenschaftler muss ich viel lesen – um mit der Entwicklung in meinem Forschungsfeld Schritt zu halten, um Inspirationen zu finden, um meine eigenen Ideen zu untermauern etc. Manchmal wird daraus ein Fetisch gemacht – je mehr, desto besser –, aber grundsätzlich ist Lesen für die wissenschaftliche Arbeit essentiell. Doch auch in meiner Freizeit versuche ich, viel zu lesen (früher, als ich noch ein entspannter Student/Doktorand war, war dies leichter) – einfach, weil es Spaß macht und weil es hilft, den eigenen Horizont zu erweitern, denn ich möchte nicht ausschließlich Ökonom sein. Lesen ist aber nicht nur zentraler Bestandteil meines Alltags – es ist auch ein zentraler Bestandteil der Persönlichkeitsentwicklung. Im Folgenden möchte ich eine „Typologie“ von drei Lektüre-Kategorien vorstellen, die ich auf Basis eigener Erfahrungen für in diesem Kontext besonders wichtig halte. Weiterlesen

Die (begrenzte) Aussagekraft von Experimenten zum bedingungslosen Grundeinkommen

Die Debatte um das bedingungslose Grundeinkommen (BGE) erfährt in der letzten Zeit einen Aufschub – nicht zuletzt wegen der geplanten oder bereits laufenden Experimente in Finnland, Kanada, Kenia oder Indien [weitere Beispiele bei Wikipedia]. Ich habe mich hier bereits als BGE-Skeptiker geoutet (und hier eine Alternative sehr grob skizziert); dennoch finde ich die Debatte fruchtbar, denn es geht um wichtige gesellschaftliche Herausforderungen wie technologischer Fortschritt oder Gerechtigkeit, die wir irgendwie angehen müssen – ob mit BGE oder nicht. Daher finde ich auch die betreffenden Experimente interessant – gleichwohl ist ihre Aussagekraft gleich aus mehreren Gründen sehr begrenzt. Weiterlesen

Economic Valuation of Biodiversity: An Interdisciplinary Conceptual Perspective

Kurze Werbeunterbrechung: das erste Buch meiner wissenschaftlichen Karriere ist gerade erschienen. Ich bin nicht sicher, ob dies ein Erfolgskriterium ist, aber man kann das E-Book bereits bei Amazon kaufen (die Print-Version ist vorerst nur über den Verlag bestellbar).9781138039360

The Art of the Reply

Früher war bekanntlich mehr Lametta. Und obwohl die in allen möglichen Kontexten vorkommenden Beschwerden, früher wäre alles besser gewesen, sich bei näherem Hinschauen und Überprüfung allzu oft als retrospektive Täuschung herausstellen – hin und wieder trifft die Feststellung doch zu. Zum Beispiel: früher wurden in ökonomischen Fachzeitschriften viel mehr Repliken veröffentlicht, als dies heutzutage der Fall ist. Weiterlesen

Hauptsache Nature oder Science!

Ende April 2017, ein hochprominentes Forschungsinstitut irgendwo in Mitteldeutschland. Eine Gruppe größtenteils erfahrener Wissenschaftler*innen, darunter ein paar Vertreter*innen der Naturwissenschaften, die meisten jedoch Sozialwissenschaftler*innen, trifft sich zu einem eintägigen Workshop. Ziel: gemeinsames Paper. Grobes Thema: eine bestimmte Schnittstelle zwischen Natur- und Sozialwissenschaften. Hintergrund: der Workshop soll helfen, eine neue Professur an dem hochprominenten Forschungsinstitut zu definieren. Aber eigentlich geht es darum – das wird recht bald ersichtlich -, um jeden Preis eine gemeinsame Publikation zu generieren. Möglichst hochrangig. Anvisiertes Ziel: Nature oder Science. Weiterlesen

Leontief Prize: der „bessere“ Ökonomie-Nobelpreis?

Es ist recht einfach, den Sveriges Riksbanks pris i ekonomisk vetenskap till Alfred Nobels minne, im Volksmund „Wirtschafts-Nobelpreis“, zu kritisieren. Es wurden darüber bereits Bücher geschrieben, und auch meine Wenigkeit hat sich zu diesem Thema mehrfach geäußert (hier, hier, hier). Eine recht bekannte „Alternative“ zum Nobelpreis, die allerdings nicht disziplinär ausgerichtet ist, ist der Right Livelihood Award, auch „Alternativer Nobelpreis“ genannt. Heute möchte ich ganz kurz eine weniger bekannte Alternative vorstellen, die der Grundidee der Nobelpreise eigentlich etwas näher, auf Ökonomie fokussiert und dennoch „besser“ als der Nobel-Gedenkpreis der Schwedischen Reichsbank ist. Gestatten: der Leontief Prize. Weiterlesen

Wenn nicht bedingungsloses Grundeinkommen – was dann?

Ich habe vor einer Weile versucht zu begründen, warum ich von der Idee eines bedingungslosen Grundeinkommens (BGE) nicht überzeugt bin. Meine Ablehnung dieser Idee bedeutet allerdings nicht, dass ich mit dem gesellschaftlich-politisch-ökonomischen Status Quo glücklich wäre. Die Frage ist also: wenn nicht BGE, was dann? Je länger ich darüber nachdenke, desto mehr wird mir klar, dass ich viele Fragen und nur wenige, eher halbgare Antworten habe. Weiterlesen

Schützenswert ist das Individuum, nicht das Kollektiv

Seit einiger Zeit – spätestens, seit ich mich als Anthropozentriker deklariert habe – habe ich mir den Kopf zerbrochen darüber, wie dies mit meinem ethisch motivierten Vegetarismus in Einklang zu bringen ist. Die Lösung des Problems stellte sich als relativ banal heraus, hat aber interessante Konsequenzen auf anderen Gebieten: es geht letztlich um die Frage, ob Individuen oder Kollektive schützenswert sind. Weiterlesen