Das sozialwissenschaftliche Grundproblem der teilnehmenden Beobachtung

Eigentlich ist „teilnehmende Beobachtung“ der Name einer Methode bzw. Herangehensweise der qualitativen Sozialforschung. Gleichzeitig spiegelt der Begriff aber auch ein Grunddilemma nahezu jeder sozialwissenschaftlichen Forschung wider: die Erhebung sozialwissenschaftlicher Primärdaten setzt faktisch immer eine Interaktion mit den „Forschungsobjekten“ (Menschen, individuell oder als Gruppen) voraus; eine neutrale Beobachtung bzw. Datenerhebung ohne Risiko eines invasiven Einflusses ist nicht möglich.

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Ist die Ökonomie eine Wissenschaft?

Darum, ob die Ökonomie eine Wissenschaft sei, streiten sich schon immer die Geister. So akademisch diese Frage erscheint, so wichtig kann sie in der Praxis sein – es ist nun mal so, dass man in unserer Gesellschaft als Wissenschaftler eine Art Sonderstatus genießt. In Deutschland, wo man immer wieder auf Klingelschildern „Dr.“ oder „Prof. Dr. Dr.“ sieht und Minister gestürzt werden, weil sie des Prestige wegen um jeden Preis einen Doktortitel haben wollten, merkt man dies besonders deutlich. Aber auch aus rein „akademischem“ Interesse ist die Frage nach dem Wissenschaftsstatus der Ökonomie durchaus spannend – zumal man sich bei ihrer Beantwortung klar machen muss, was eigentlich Wissenschaft ist und was die Ökonomie ausmacht. Beides ist bei Weitem nicht trivial. Weiterlesen

Was ist an dem Arrow-Paradoxon dran?

Kenneth Arrow ist wahrscheinlich eine der interessantesten Persönlichkeiten der Ökonomik des 20. Jahrhunderts. Er ist bis heute der jüngste Träger des Nobel-Gedenkpreises für Ökonomie, den er 1972 im „zarten“ Alter von 51 Jahren verliehen bekam. Auch im weniger zarten Alter von 94 Jahren publiziert er immer noch. Es gibt wahrscheinlich kaum ein Feld innerhalb der Ökonomik, zu dem er nicht irgendwann gearbeitet hat. Er ist einer der versiertesten Mathematiker unter den Ökonomen – den Nobel-Gedenkpreis bekam er für seine Pionierarbeit zur Allgemeinen Gleichgewichtstheorie, die zu den formalisiertesten, prestigeträchtigsten und laut manchen Kommentatoren nutzlosesten Forschungsgebieten innerhalb der Ökonomik gehört. In den letzten etwa 20 Jahren lieferte er einige sehr interessante Beiträge zur Nachhaltigkeit, Wohlfahrtsmessung und sozialer Diskontierung. Interessanterweise ist jedoch der wohl wichtigste – auf jeden Fall bekannteste – Beitrag von ihm auch einer der ältesten: das in seiner Dissertation (1951) entwickelte Unmöglichkeitstheorem, auch Arrow-Paradoxon (von ihm „schlicht“ General Possibility Theorem genannt), mit dem er die Disziplin der modernen Sozialwahltheorie begründete. Weiterlesen

Erben und Gerechtigkeit

Große Nachlässe, wie bspw. der, den Paris Hilton in Aussicht hat, werden oft als ungerecht empfunden. Interessanterweise vereint sich dieser Eindruck Vertreter sehr unterschiedlicher Weltsichten: von dem neoklassischen Ökonomen, Standardlehrbuch-Autor und Google-Chefökonom Hal Varian, über (bedingt) Warren Buffett, bis hin zu einem Freund von mir, einem erklärten Marxisten. Doch ist es wirklich so, dass das Erben, oder zumindest bestimmte Arten (Ausmaße) von Nachlässen, etwas Schlechtes sind? Weiterlesen

Drei Kinder und Gerechtigkeit

Ich lese gerade eines meiner Lieblingsbücher wieder, The Idea of Justice von Amartya Sen. Eine der Hauptbotschaften dieses ungeheuer interessanten Buchs ist, dass man sich mit einer gewissen Art von Pluralität abfinden muss. Es gibt nicht die Antwort auf viele wichtige Fragen – z. B. gibt es nicht die Definition von Gerechtigkeit. Sen illustriert dies an einem sehr schönen, einfachen Beispiel dreier Kinder, die um eine Flöte streiten. Weiterlesen

Was ist ökonomische Bewertung eigentlich (nicht)?

In meiner Doktor-Arbeit, die ich am Department Ökonomie des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung in Leipzig schreibe, befasse ich mich mit der Frage, wie man mit dem „Bewertungsobjekt“ Biodiversität sinnvoll umgehen kann. Es geht also um ökonomische Bewertung von Umweltgütern im Allgemeinen bzw. von biologischer Vielfalt im Speziellen. Eine der interessantesten Fragen, auf die ich dabei bisher gestoßen bin, ist gleichzeitig die grundlegendste: Was ist ökonomische Bewertung eigentlich? Was macht sie aus? Wodurch unterscheidet sie sich von nicht-ökonomischen Bewertungen? Was heißt überhaupt „ökonomisch“? Weiterlesen

Werte oder Zahlungsbereitschaften?

Cecil Graham: What is a cynic?
Lord Darlington: A man who knows the price of everything, and the value of nothing.
Cecil Graham: And a sentimentalist, my dear Darlington, is a man who sees an absurd value in everything and doesn’t know the market price of any single thing.

Die ökonomische Bewertung bzw. Inwertsetzung von Naturgütern (oder auch dem menschlichen Leben) wird häufig kritisiert als unmoralisch bzw. wichtige „moralische Werte“ außer Acht lassend. Wie kürzlich in einem Zeitungskommentar ausgedrückt, „wer mit Moral rechnet, braucht mit Moral nicht zu rechnen“. Ist diese Kritik denn gerechtfertigt? Weiterlesen