Close the GAP?

OK, ich gestehe, der Titel ist mir heute etwas holprig geraten: im Englischen wäre es nämlich eigentlich CAP, gemeint ist nämlich die Common Agricultural Policy (dt. Gemeinsame Agrarpolitik alias GAP) der EU. Die hinter dem holprigen Wortspiel stehende Frage ist nichtsdestotrotz gewichtig: wird das reichliche Drittel des EU-Haushalts, das in das System von Agrarsubventionen fließt, denn sinnvoll verwendet? Und falls nicht, was folgt daraus?

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Leontief Prize: der „bessere“ Ökonomie-Nobelpreis?

Es ist recht einfach, den Sveriges Riksbanks pris i ekonomisk vetenskap till Alfred Nobels minne, im Volksmund „Wirtschafts-Nobelpreis“, zu kritisieren. Es wurden darüber bereits Bücher geschrieben, und auch meine Wenigkeit hat sich zu diesem Thema mehrfach geäußert (hier, hier, hier). Eine recht bekannte „Alternative“ zum Nobelpreis, die allerdings nicht disziplinär ausgerichtet ist, ist der Right Livelihood Award, auch „Alternativer Nobelpreis“ genannt. Heute möchte ich ganz kurz eine weniger bekannte Alternative vorstellen, die der Grundidee der Nobelpreise eigentlich etwas näher, auf Ökonomie fokussiert und dennoch „besser“ als der Nobel-Gedenkpreis der Schwedischen Reichsbank ist. Gestatten: der Leontief Prize. Weiterlesen

Nun sag, wie hast du’s mit dem bedingungslosen Grundeinkommen?

Wie ein Freund von mir kürzlich treffend beobachtet hat: selbst bei eigentlich tiefgründigen und klugen Analysen der Probleme heutiger Gesellschaft stößt man allzu häufig in dem jeweiligen Schlussfolgerungen-Kapitel auf die etwas plumpe Forderung, man solle ein bedingungsloses Grundeinkommen einführen, dieses werde die Probleme schon richten (konkret meinte er den deutschen Soziologen Hartmut Rosa). Generell scheint das bedingungslose Grundeinkommen gerade ein vorher nicht gesehenes Popularitätshoch zu erleben, sogar Konzernmanager sprechen sich dafür aus. Doch ist bedingungsloses Grundeinkommen wirklich eine gute Lösung für irgendwas?

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Afrikas Misere und Fair Trade

Ich habe vor einigen Jahren ein sehr interessantes Buch des polnischen Reporters Adam Leszczyński über dessen Reisen durch Afrika gelesen. Darin fand ich eine Aussage, die mir zu denken gab: der Autor kritisierte darin die Idee des Fair Trade, weil er meinte, dass sie dazu beiträgt, dass die afrikanischen Ökonomien weiterhin auf Rohstoffgewinnung und Nahrungsmittelproduktion fokussiert bleiben. Der Vorwurf ist angesichts der desolaten wirtschaftlichen Lage auf dem Kontinent interessant, insbesondere, da wir „Westler“ tatsächlich die Tendenz haben, bei unseren gut gemeinten Wohltaten zu kurz zu denken. In diesem Fall basiert die Kritik aber letztendlich doch auf einem Fehlschluss. Weiterlesen

Big Government?

Ich habe mich kürzlich in eine Facebook-Diskussion verstrickt, in der es grob darum ging, ob es ein Problem sei, dass der Staat „das stärkste Monopol, das es geben kann“ ist. Ich bin gerade zu träge, um die Diskussion zusammenzufassen bzw. meine daraus erwachsenen statistischen Spielereien wiederzugeben, hier als kurz ein anonymisierter Screenshot: Weiterlesen

Was haben BIP, PISA und h-Index gemeinsam?

Wir Menschen besitzen die erstaunliche Fähigkeit, uns das Leben schwerer zu machen, wenn wir versuchen, es uns einfacher zu machen. Was vor allem daran liegt, dass wir darin unschlagbar sind, Mühe, Komplexität und Reflexion auszuweichen. Das lässt sich alles evolutionstheoretisch ganz gut erklären – nichtsdestotrotz führt es gerade in unserer wahnsinnig komplex gewordenen Welt häufig zu Problemen. Ein interessantes Beispiel ist unser Umgang mit eigentlich nützlichen Messgrößen, die wir missbrauchen, weil sie so schön klar und deutlich sind. Weiterlesen

Exploring Economics

Eine kurze Meldung nur (ich hoffe, im Februar, vielleicht schon im Januar wieder Zeit zu haben, etwas Längeres zu schreiben): das Netzwerk Plurale Ökonomik hat eine sehr nette Seite geschaffen (Exploring Economics), auf der die vielen heterodoxen Denkschulen der Ökonomik beschrieben werden, einschließlich Materialien, Links, Leseempfehlungen etc. Sehr empfehlenswert! P.S. Für den Eintrag über Ökologische Ökonomik zeichnet meine Wenigkeit verantwortlich.exploring-economics

Wie ein aufrichtiges sozialwissenschaftliches Buch beginnen sollte

This work has two main flaws, and one possible virtue. I am acutely aware of the fact that I am stretching my competence thinly over a large number of areas. It is not just that my treatment of the issues is selective: my knowledge is based on what may well be, in some cases, idiosyncratically chosen, unrepresentative, or dated sources. Although I could have gathered more, and more accurate, information, this would not have made much of a difference for the main purpose of the book, which is to sketch a framework for the study of the in-kind allocation of goods and burdens.

Unfortunately, that framework turned out to be messy and ugly. I have been unable to respect the standards of simplicity and parsimony that many readers will feel they have a right to expect. It may be that I just lack the ability or the inclination to cut through the bewildering surface variety of local justice phenomena and find the underlying principles that would bestow intelligibility on them all. Or it might be that there are no such principles to be found, and that the messiness is inherent in the object. Most probably, there is some truth in both hypotheses.

I hope that some readers, nevertheless, will share my delight and exhiliration in observing the endless variety and inventiveness of human institutions. The details are not incidental to the story I am telling: they are its essence. I am sure I could have told the story better, and perhaps a better sort of story could have been told; but I hope there may still be some instruction and entertainment in what follows.

Jon Elster, Local Justice: How Institutions Allocate Scarce Goods and Necessary Burdens (1992), S. vii–viii

Das Henne-Ei-Problem der Entwicklungspolitik

Ein kürzlich angesehener Vortrag des Schweden Hans Rosling hat mich an ein Problem erinnert, das seit Jahrzehnten entwicklungspolitische Debatten bestimmt – gewissermaßen ein Henne-Ei-Problem der Entwicklungspolitik. Was kommt zuerst/sollte zuerst kommen: Steigerung des Einkommens oder Steigerung in anderen Wohlstandsparametern? Wohl wissend, dass „the plural of anecdote is not data“, würde ich gern ein paar Belege vorstellen, die die These stützen, dass die Steigerung des Einkommens keine Voraussetzung für die Steigerung des breiter verstandenen Wohlstands ist, entgegen den üblichen Empfehlungen internationaler Organisationen wie die Weltbank oder der Internationale Währungsfonds.

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