2018

Während in der realen Welt 2018 einiges los war, war dieses Jahr für meinen Blog eher unspektakulär. Trotzdem ist hier das eine oder andere passiert, und auch allgemein gibt es ein paar Sachen, über die es sich zu reflektieren lohnt. Weiterlesen

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Honorierung öffentlicher Güter statt Direktzahlungen – und dann?

Seit einer Weile schon häufen sich Forderungen nach einer tiefgreifenden Reform der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) der EU, mit dem Ziel einer Transformation zur nachhaltigen Landwirtschaft. Eine besonders radikale, aber ebenfalls immer häufiger vernehmbare Forderung ist diejenige nach einer Streichung von einkommensstützenden Direktzahlungen (derzeit der Großteil der im Rahmen der GAP an Landwirt*innen fließenden Mittel), die dann durch ein System ersetzt werden soll, im Rahmen dessen die Erbringung öffentlicher (Umwelt-)Güter honoriert würde. An sich eine gute Idee – doch Landwirt*innen haben dann gute Gründe zu fragen, „Und was dann?“

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Von guten Landwirten und bürokratischer Belastung

Das Schöne an Wissenschaft ist, dass ein typisches Forschungsprojekt mehr neue Fragen aufkommen lässt, als es ursprünglich beantworten sollte. So auch in einem Versuch, den ich kürzlich mit einem Kollegen unternahm – wir setzten uns zum Ziel, empirische Forschung zu den Determinanten des Verhaltens von Landwirt*innen zusammenzufassen, um daraus Schlussfolgerungen für Agrarumweltpolitik im Bodenschutzkontext zu ziehen. Doch viel spannender als unsere Schlussfolgerungen finde ich die Forschungslücken, auf die wir stießen. Weiterlesen

Wem gehört der Boden?

Dieser Beitrag wurde zunächst auf dem Blog des Ecosystem Service Partnership Deutschland veröffentlicht (ESP DE).

Landwirtschaftliche Böden sind eine essentielle natürliche Ressource, die weltweit stark übernutzt ist. In unserem Artikel widmen wir uns der institutionen- bzw. verfügungsrechtsökonomischen Frage, wem sie gehören und was dies für Konsequenzen für ihre nachhaltige Nutzung hat. Weiterlesen

Vom ökonomischen Wert der Biodiversität zu deliberativen Bewertungsmethoden

Doktorarbeiten sind ein seltsames Ding – während der Promotion wird man häufig von Zweifeln geplagt, ob das, woran man da arbeitet, wirklich relevant/innovativ/etc. ist. Man tendiert also dazu, die Bedeutung der eigenen Arbeit zu unterschätzen. Dann ist die Arbeit fertig, man verteidigt sie und befindet sich kurzzeitig im siebten Himmel – endlich ist es geschafft! Nach relativ kurzer Zeit weicht die Euphorie allerdings und man zweifelt wieder, ja man schämt sich womöglich dafür, was man da „zusammengebraut“ hat. Oder zumindest ging es mir und einigen meiner Kolleg*innen so. Lange habe ich mich gefragt, ob und was eigentlich an meiner Dissertation besonders war. Um dann festzustellen, dass ich sie einfach falsch betrachtet habe. Weiterlesen

Landwirtschaft mit Grauschattierungen

Die Transformation der Landwirtschaft zu mehr Nachhaltigkeit ist aktuell eine der größten gesellschaftlichen Herausforderungen. Da es unter anderem um unsere Ernährung geht, sind die Debatten zu diesem Thema oft ziemlich emotional und tendieren zu Vereinfachungen, insbesondere one-size-fits-all- bzw. silver-bullet-Lösungsvorschlägen: „organic agriculture will feed the world“; grüne Gentechnik kann (fast) alle Probleme lösen; land sparing und „nachhaltige Intensivierung“ sind die Lösung, womöglich kombiniert mit Rewilding; etc. Da wünschte man sich hin und wieder ein paar Grauschattierungen. Weiterlesen

Exit und Voice: von Fußball bis Kuba

Ich war schon immer schwer beeindruckt von Sozialwissenschaftler*innen, die sich nicht in eine disziplinäre Schublade stecken lassen. Da wäre bespielsweise der Ökonom–Philosoph Amartya Sen, dessen Einfluss auf mein Denken kaum zu überschätzen ist. Da wäre Jon Elster, ein… Soziologe? Ökonom? Philosoph? Und natürlich ist da noch Albert Otto Hirschman, eine besonders illustre Persönlichkeit.1 Gerade schreibe ich mit einem Kollegen an einem Artikel, in dem wir Hirschmans Konzept von Exit und Voice „missbrauchen“, um etwas über Genome-Editing-Regulierung zu sagen. Diese Gelegenheit würde ich gern nutzen, um ein paar Worte über diese einflussreichste von Hirschmans vielen Ideen zu erzählen, insbesondere über ihre diversen Anwendungen in sozialwissenschaftlicher Literatur. Weiterlesen

Mit bedingungslosem Grundeinkommen ins Zeitalter der Maschinen?

Ein häufig genanntes Argument für das bedinungslose Grundeinkommen (BGE) ist, dass es eine Antwort sei auf das kommende „Zeitalter der Maschinen“ – die Digitalisierung und Maschinisierung der Arbeitswelt. Abgesehen davon, für wie realistisch man solche Visionen einer weitgehend von Maschinen, Algorithmen und künstlichen Intelligenzen dominierten „Arbeits“welt hält, stellt sich die Frage, ob das BGE dieses vermeintliche Schreckensszenario mittelfristig nicht eher beschleunigen würde. Weiterlesen

Klimaschutz und die Verteilung steigender Energiekosten

Eine häufige Kritik an politischen Klimaschutzmaßnahmen, in Deutschland insbesondere am Gesetz für den Ausbau erneuerbarer Energien (EEG), betrifft die Ungleichverteilung ihrer Kosten. Da ärmere Haushalte üblicherweise einen höheren Anteil ihres Einkommens für Strom und Heizung ausgeben, werden sie disproportional von Erhöhungen der Energiepreise getroffen, die von EEG oder dem EU-Emissionshandelssystem ausgehen. Doch obgleich die Aufmerksamkeit für die sozialen Auswirkungen der Energiewende löblich ist, wird der Fokus dabei üblicherweise ausschließlich auf die Kostenseite gelegt – die spiegelbildliche Ungleichverteilung der Nutzen wird dabei übersehen. Weiterlesen

Zeit fürs Ende der Direktzahlungen?

2020 soll die Gemeinsame Agrarpolitik der EU (GAP) reformiert werden. Es wird eine besondere Reform sein, denn sie muss mit einem in der Geschichte der EU einmaligen Ereignis zurechtkommen – dem Brexit. Wenn das Vereinigte Königreich die Union verlässt, bricht ein wichtiger Posten auf der Haben-Seite des EU-Haushalts weg. Die GAP stellt ca. 40% ebendieses Haushalts dar; UK ist nach Deutschland der zweitgrößte Nettoeinzahler in die sog. „erste Säule“, die vor allem aus den von der bewirtschafteten Fläche abhängigen Direktzahlungen an die Landwirt*innen besteht. Schon lange werden diese Direktzahlungen als schwer zu begründende, ineffiziente de-facto-Sozialtransfers kritisiert (bspw. hier). So gesehen könnte der Brexit die Chance sein, die GAP endlich grundlegend zu reformieren und die Direktzahlungen als solche abzuschaffen. Doch was dann? Weiterlesen