Wie Elsevier meine Publons-Statistik kaputt macht

Vor einer Weile beschlossen deutsche Hochschulen und Forschungsinstitutionen, dass es nicht angeht, dass Ergebnisse öffentlich finanzierter Forschung sich hinter Paywalls verstecken; sowie dass gegen die Marktmacht der großen Wissenschaftsverlage (allen voran Elsevier) irgendwas getan werden muss. Also wurde DEAL gegründet: ein Verbund deutscher Wissenschaftsorganisationen, der in Verhandlungen mit den drei Großverlagen Elsevier, Springer Nature und Wiley getreten ist, um einheitliche, faire Bedingungen für die Veröffentlichung von Forschungsergebnissen zu erreichen. Während Spinger und Wiley sich sofort kooperativ zeigten, sperrt Elsevier, der größte und berüchtigste Wissenschaftsverlag der Welt, sich konsequent.

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Vom ökonomischen Wert der Biodiversität zu deliberativen Bewertungsmethoden

Doktorarbeiten sind ein seltsames Ding – während der Promotion wird man häufig von Zweifeln geplagt, ob das, woran man da arbeitet, wirklich relevant/innovativ/etc. ist. Man tendiert also dazu, die Bedeutung der eigenen Arbeit zu unterschätzen. Dann ist die Arbeit fertig, man verteidigt sie und befindet sich kurzzeitig im siebten Himmel – endlich ist es geschafft! Nach relativ kurzer Zeit weicht die Euphorie allerdings und man zweifelt wieder, ja man schämt sich womöglich dafür, was man da „zusammengebraut“ hat. Oder zumindest ging es mir und einigen meiner Kolleg*innen so. Lange habe ich mich gefragt, ob und was eigentlich an meiner Dissertation besonders war. Um dann festzustellen, dass ich sie einfach falsch betrachtet habe. Weiterlesen

Publikationsdruck und die Qualität der Forschung

In den meisten Ländern ist die letzte Stufe der formalen akademischen Qualifikation die Promotion. Deutschland gehört zu der Handvoll Länder, in denen es nach dem Doktor weitergeht – erst mit einer Habilitation hat man keine Möglichkeit mehr, einen höheren akademischen Grad zu erreichen. Kürzlich hatte ich zwei aufschlussreiche Gespräche bezüglich meiner eigenen Pläne, in näherer Zukunft zu habilitieren. Beide führten mir ein Problem vor Augen, unter dem das heutige Wissenschaftssystem leidet – den Überhand nehmenden Publikationsdruck, dem vor allem Nachwuchswissenschaftler*innen unterliegen. Weiterlesen

Die „Logik“ von Elsevier

Elsevier ist nicht gerade populär. Dieser größte aller Wissenschaftsverlage (ca. 3500 Fachzeitschriften) besitzt eine beispiellose Monopolstellung und gilt im Vergleich zu den anderen Großverlagen (Springer, Wiley…) als besonders „schwierig“ (siehe z. B. hier). Gerade befindet er sich in zähen Verhandlungen mit dem deutschen DEAL-Konsortium, bei denen es u. a. um faire Preise und Open Access geht (aktuelle Meldung bei Nature). Ein häufiger Kritikpunkt ist die zunehmend schlechte Qualität der Leistungen, für die Elsevier dann so horrende Preise fordert. Ein Beispiel dafür ist die „Logik“, nach der Elsevier Ausgaben von Zeitschriften zusammenstellt. Weiterlesen

Agrar- und Umweltökonomen aller Länder, vereinigt euch! Teil 2

Vor Kurzem habe ich einen zweiteiligen Beitrag veröffentlicht (Teil 1A, 1B), dessen Kernbotschaft war: Interaktionen zwischen Agrar- und Umweltökonomik sind zwar vorhanden, aber ausbaufähig. Nun möchte ich etwas ausführlicher begründen, warum mehr Austausch zwischen diesen beiden ökonomischen Subdisziplinen sinnvoll und für beide Seiten von Vorteil wäre. Weiterlesen

Agrar- und Umweltökonomen aller Länder, vereinigt euch! Teil 1

Teil 1B hier, Teil 2 da.

Nicht zuletzt wegen meiner Arbeit in BonaRes, wo es um die nachhaltige Nutzung landwirtschaftlicher Böden geht, beginne ich mich immer stärker für die Schnittstelle zwischen Landwirtschaft und Umwelt zu interessieren. Als Umweltökonom wage ich mich damit zunehmend auf das Terrain der Agrarökonomik. Interessanterweise hörte ich bereits von mehreren Kolleg*innen, die schon länger an dieser Grenze aktiv sind, dass die Interaktionen zwischen Umwelt- und Agrarökonom*innen eher wenige sind. Das beschloss ich zu überprüfen – und zwar mit den Mitteln einer einfachen bibliometrischen Analyse. In diesem Beitrag geht es also darum, inwiefern agrar- und umweltökonomische Forschung sich aufeinander beziehen.

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Skeptische Ökonomie 2017 (nicht nur) in Zahlen

1: Anzahl der Doktorgrade, die der Autor von Skeptische Ökonomie 2017 erlangt hat (auch: Anzahl der Bücher, die derselbe geschrieben hat)

3: so lange (in Jahren) gibt es Skeptische Ökonomie schon (seit 7.12.2014)

7: so lange gibt es sie, wenn man die englischsprachige Vorgängerin mitrechnet (seit September 2010)

33: so oft wurde hier 2017 kommentiert

33: Anzahl der 2017 auf Skeptische Ökonomie veröffentlichten Beiträge

11.773: so oft wurde Skeptische Ökonomie vergangenes Jahr aufgerufen

20.000: diese Gesamtzahl von Aufrufen knackte Skeptische Ökonomie im Dezember

Die populärsten neuen (d. h. 2017 verfassten) Beiträge waren:

  1. Warum es OK ist, Sci-Hub zu nutzen (obwohl es illegal ist)
  2. Marktmacht der Wissenschaftsverlage: drei kurze Anekdoten
  3. Misanthropischer Humanismus
  4. Energiewende – einige Klarstellungen
  5. Nun sag, wie hast du’s mit dem bedingungslosen Grundeinkommen?
  6. Afrikas Misere und Fair Trade
  7. Bioökonomie in einer begrenzten Welt

Dauerbrenner (die populärsten älteren Beiträge):

  1. Diskontieren, Kosten-Nutzen-Analyse und Nachhaltigkeit
  2. Logische Konsistenz, moralische Intuition und das Trolley-Problem
  3. Die sozialen Dilemmata des Umweltschutzes

Was sonst noch geschah:

Danke fürs Lesen!

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Peer-Review als soziales Dilemma

Auch wenn sich (fast) alle einig sind, dass es eine extrem problematische Verkürzung ist, wissenschaftliche Arbeit auf bibliometrische Statistiken (Publikationszahlen, Zitationen, h-Index) zu reduzieren, so werden Wissenschaftler*innen trotzdem vor allem daran gemessen, wie viel sie publizieren und welchen Impact Factor die Zeitschriften haben, in denen sie es tun. Weil dies vergleichsweise einfach zu messen ist. So sind Menschen im Vorteil, die (a) gut vernetzt sind (und daher oft eingeladen werden, ein paar Zeilen zu einem Artikel beizusteuern; außerdem werden sie dann relativ häufig von ihren vielen Kolleg*innen zitiert), (b) ein Talent für die Wiederverwertung ihrer Forschungsergebnisse haben (es ist erstaunlich, wie viele Artikel man aus einer Studie machen kann, wenn man sie geschickt portioniert) und nicht zuletzt (c) denen das Aufschreiben ihrer Forschungsergebnisse leicht fällt. Des Weiteren gibt es Unterschiede in der „typischen“ Publikationsintensität (einschließlich des Zitationspotenzials) je nach Disziplin, Art der Forschung (konzeptionell–theoretisch vs. empirisch; Grundlagen- vs. angewandte Forschung) und Thema. Doch selbst wenn man von all diesen Problemen der „Output-Fokussierung“ absieht, fällt dabei zusätzlich die Kehrseite der wissenschaftlichen Publikationstätigkeit unter den Tisch – der Peer-Review. Dabei ist seine Bedeutung für die Wissenschaft kaum zu überschätzen. Weiterlesen