Wie Elsevier meine Publons-Statistik kaputt macht

Vor einer Weile beschlossen deutsche Hochschulen und Forschungsinstitutionen, dass es nicht angeht, dass Ergebnisse öffentlich finanzierter Forschung sich hinter Paywalls verstecken; sowie dass gegen die Marktmacht der großen Wissenschaftsverlage (allen voran Elsevier) irgendwas getan werden muss. Also wurde DEAL gegründet: ein Verbund deutscher Wissenschaftsorganisationen, der in Verhandlungen mit den drei Großverlagen Elsevier, Springer Nature und Wiley getreten ist, um einheitliche, faire Bedingungen für die Veröffentlichung von Forschungsergebnissen zu erreichen. Während Spinger und Wiley sich sofort kooperativ zeigten, sperrt Elsevier, der größte und berüchtigste Wissenschaftsverlag der Welt, sich konsequent.

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Degrowth, Moderne und liberale Demokratie

Wachstumskritik ist immer auch Moderne-Kritik. Und Kritik an der Moderne muss zwar nicht, kann aber mitunter auch Kritik an liberaler Demokratie und der „offenen Gesellschaft“ (sensu Popper) sein. Dies trifft auch auf Degrowth zu, dessen Verhältnis zu liberaler Demokratie oft unklar ist. Doch wenn (berechtigte) Moderne-Kritik in Demokratieskepsis abrutscht, droht sie, sehr schnell ihre eigenen Ziele zu untergraben. Weiterlesen

Nach uns die Sintflut? Degrowth und die Suche nach Alternativen jenseits des Wachstumsparadigmas

Der folgende Text basiert auf einem Vortrag, den ich am 5. April 2018 im Rahmen des jährlichen Kongresses von ND Christsein.Heute in Dresden gehalten habe. Er wird in der Zeitschrift des Verbandes, „Hirschberg“, erscheinen.

1972 war ein besonderes Jahr. Zum einen erschien der vielbeachtete und bis heute diskutierte Bericht des Club of Rome Grenzen des Wachstums, in dem ein systemtheoretisch inspiriertes Modell genutzt wurde, mithilfe dessen die Möglichkeit dauerhaften Wirtschaftswachstums untersucht (und verneint) wurde. Zum anderen veröffentlichten zwei angesehene Vertreter des ökonomischen Mainstreams, William Nordhaus und James Tobin ein Diskussionspapier, in dem sie aus ähnlichen Erwägungen, obgleich mit anderen Methoden, fragten: Ist Wachstum obsolet?1 Die Debatte darüber, ob dauerhaftes Wirtschaftswachstum mit Nachhaltigkeit vereinbar ist, bricht seitdem nicht ab. Angesichts der sich mehrenden Anzeichen, dass die Menschheit sich sog. Planetaren Grenzen2 gefährlich nähert bzw. manche womöglich schon überschritten hat (durch Klimawandel, Verlust der Artenvielfalt etc.), werden Stimmen immer lauter, die eine Abkehr vom „Wachstumsparadigma“ fordern. Viele dieser Stimmen haben sich in den letzten Jahren in der Degrowth-Bewegung vereint.

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Vom ökonomischen Wert der Biodiversität zu deliberativen Bewertungsmethoden

Doktorarbeiten sind ein seltsames Ding – während der Promotion wird man häufig von Zweifeln geplagt, ob das, woran man da arbeitet, wirklich relevant/innovativ/etc. ist. Man tendiert also dazu, die Bedeutung der eigenen Arbeit zu unterschätzen. Dann ist die Arbeit fertig, man verteidigt sie und befindet sich kurzzeitig im siebten Himmel – endlich ist es geschafft! Nach relativ kurzer Zeit weicht die Euphorie allerdings und man zweifelt wieder, ja man schämt sich womöglich dafür, was man da „zusammengebraut“ hat. Oder zumindest ging es mir und einigen meiner Kolleg*innen so. Lange habe ich mich gefragt, ob und was eigentlich an meiner Dissertation besonders war. Um dann festzustellen, dass ich sie einfach falsch betrachtet habe. Weiterlesen

Landwirtschaft mit Grauschattierungen

Die Transformation der Landwirtschaft zu mehr Nachhaltigkeit ist aktuell eine der größten gesellschaftlichen Herausforderungen. Da es unter anderem um unsere Ernährung geht, sind die Debatten zu diesem Thema oft ziemlich emotional und tendieren zu Vereinfachungen, insbesondere one-size-fits-all- bzw. silver-bullet-Lösungsvorschlägen: „organic agriculture will feed the world“; grüne Gentechnik kann (fast) alle Probleme lösen; land sparing und „nachhaltige Intensivierung“ sind die Lösung, womöglich kombiniert mit Rewilding; etc. Da wünschte man sich hin und wieder ein paar Grauschattierungen. Weiterlesen

Publikationsdruck und die Qualität der Forschung

In den meisten Ländern ist die letzte Stufe der formalen akademischen Qualifikation die Promotion. Deutschland gehört zu der Handvoll Länder, in denen es nach dem Doktor weitergeht – erst mit einer Habilitation hat man keine Möglichkeit mehr, einen höheren akademischen Grad zu erreichen. Kürzlich hatte ich zwei aufschlussreiche Gespräche bezüglich meiner eigenen Pläne, in näherer Zukunft zu habilitieren. Beide führten mir ein Problem vor Augen, unter dem das heutige Wissenschaftssystem leidet – den Überhand nehmenden Publikationsdruck, dem vor allem Nachwuchswissenschaftler*innen unterliegen. Weiterlesen

Exit und Voice: von Fußball bis Kuba

Ich war schon immer schwer beeindruckt von Sozialwissenschaftler*innen, die sich nicht in eine disziplinäre Schublade stecken lassen. Da wäre bespielsweise der Ökonom–Philosoph Amartya Sen, dessen Einfluss auf mein Denken kaum zu überschätzen ist. Da wäre Jon Elster, ein… Soziologe? Ökonom? Philosoph? Und natürlich ist da noch Albert Otto Hirschman, eine besonders illustre Persönlichkeit.1 Gerade schreibe ich mit einem Kollegen an einem Artikel, in dem wir Hirschmans Konzept von Exit und Voice „missbrauchen“, um etwas über Genome-Editing-Regulierung zu sagen. Diese Gelegenheit würde ich gern nutzen, um ein paar Worte über diese einflussreichste von Hirschmans vielen Ideen zu erzählen, insbesondere über ihre diversen Anwendungen in sozialwissenschaftlicher Literatur. Weiterlesen

Mit bedingungslosem Grundeinkommen ins Zeitalter der Maschinen?

Ein häufig genanntes Argument für das bedinungslose Grundeinkommen (BGE) ist, dass es eine Antwort sei auf das kommende „Zeitalter der Maschinen“ – die Digitalisierung und Maschinisierung der Arbeitswelt. Abgesehen davon, für wie realistisch man solche Visionen einer weitgehend von Maschinen, Algorithmen und künstlichen Intelligenzen dominierten „Arbeits“welt hält, stellt sich die Frage, ob das BGE dieses vermeintliche Schreckensszenario mittelfristig nicht eher beschleunigen würde. Weiterlesen

Klimaschutz und die Verteilung steigender Energiekosten

Eine häufige Kritik an politischen Klimaschutzmaßnahmen, in Deutschland insbesondere am Gesetz für den Ausbau erneuerbarer Energien (EEG), betrifft die Ungleichverteilung ihrer Kosten. Da ärmere Haushalte üblicherweise einen höheren Anteil ihres Einkommens für Strom und Heizung ausgeben, werden sie disproportional von Erhöhungen der Energiepreise getroffen, die von EEG oder dem EU-Emissionshandelssystem ausgehen. Doch obgleich die Aufmerksamkeit für die sozialen Auswirkungen der Energiewende löblich ist, wird der Fokus dabei üblicherweise ausschließlich auf die Kostenseite gelegt – die spiegelbildliche Ungleichverteilung der Nutzen wird dabei übersehen. Weiterlesen

Zeit fürs Ende der Direktzahlungen?

2020 soll die Gemeinsame Agrarpolitik der EU (GAP) reformiert werden. Es wird eine besondere Reform sein, denn sie muss mit einem in der Geschichte der EU einmaligen Ereignis zurechtkommen – dem Brexit. Wenn das Vereinigte Königreich die Union verlässt, bricht ein wichtiger Posten auf der Haben-Seite des EU-Haushalts weg. Die GAP stellt ca. 40% ebendieses Haushalts dar; UK ist nach Deutschland der zweitgrößte Nettoeinzahler in die sog. „erste Säule“, die vor allem aus den von der bewirtschafteten Fläche abhängigen Direktzahlungen an die Landwirt*innen besteht. Schon lange werden diese Direktzahlungen als schwer zu begründende, ineffiziente de-facto-Sozialtransfers kritisiert (bspw. hier). So gesehen könnte der Brexit die Chance sein, die GAP endlich grundlegend zu reformieren und die Direktzahlungen als solche abzuschaffen. Doch was dann? Weiterlesen