(hier catchy Titel)

Eine meiner Schwächen sowohl als Blogger als auch als Wissenschaftler besteht darin, dass ich nicht besonders gut darin bin, mir für meine Beiträge/Publikationen gute, sexy Titel auszudenken. In meinem Forschungsfeld, der Ökologischen Ökonomik, gibt es einen, der darin unglaublich gut ist. Er heißt Clive Spash und ist ansonsten dafür bekannt, dass er ein sehr scharfter Kritiker von allem und jedem ist und sehr gern austeilt. Das ist oft anstrengend, denn obgleich ein durchaus brillianter Denker, schießt Spash häufig übers Ziel hinaus und seine Kritiken sind nur selten konstruktiv. Aber seine Titel machen dies gewissermaßen wett. Hier ein paar besonders gute Beispiele:

  • Contingent valuation design and data treatment: if you can’t shoot the messenger, change the message (ein Paper im Environment and Planning C: Government and Policy über den Umgang mit Diskrepanzen in Bewertungsstudien zwischen Zahlungsbereitschaft (WTP) und Bereitschaft, Kompensationszahlungen zu akzeptieren (WTA))
  • How much is that ecosystem in the window? The one with the bio-diverse trail (ein Editor-Piece in Spashs eigener Zeitschrift Environmental Values, in der er gegen die ökonomische Bewertung austeilt)
  • The brave new world of carbon trading (New Political Economy; Angriffsziel: Emissionshandel)
  • Terrible Economics, Ecosystems and Banking (Environmental Values; Kritik an TEEB, für deren Zwecke er das Akronym geringfügig „uminterpretierte“)
  • Bulldozing biodiversity: The economics of offsets and trading-in Nature (Biological Conservation; eine aktuelle Kritik des Biodiversity Offsetting)

Aber nicht nur Clive Spash kann gute Titel bieten. Andere können durchaus mithalten:

  • Ecosystem services: From eye-opening metaphor to complexity blinder von Richard Norgaard in Ecological Economics (Kritik des Ökosystemdienstleistungs-Konzepts)
  • Next, the value of God, and other reactions von Norgaard und Collin Bode in Ecological Economics (Einleitung eines Symposiums zu Robert Costanzas berühmter Wert-der-gesamten-Biosphäre-Studie)
  • To value or not to value? That is not the question von Giorgios Kallis, Erik Gómez Baggethun und Christos Zografos in Ecological Economics (eine gemäßigte Kritik an der ökonomischen Bewertung)
  • Priceless: On knowing the price of everything and the value of nothing von Ackerman und Lisa Heinzerling (Buch, Kritik an der… richtig, ökonomischen Bewertung)
  • How (not) to perform ecosystem service valuations: pricing gorillas in the mist von Fanny Boeraeve und Kollegen in Biodiversity and Conservation (Thema siehe oben)
  • The euthanasia of the rentier — A way toward a steady-state economy? von Dirk Loehr in Ecological Economics (über einen vermeintlichen monetären Wachstumszwang)
  • Clio and the economics of QWERTY von Paul David im American Economic Review (über technologische Pfadabhängigkeiten)*
  • The bankers‘ new clothes: What’s wrong with banking and what to do about it von Anat Admati und Martin Hellwig (ein Buch über die Ursachen der aktuellen Finanzkrise)
  • Twenty thousand sterling under the sea: Estimating the value of protecting deep-sea biodiversity von Niels Jobstvogt und Kolleginnen in Ecological Economics (ja, tatsächlich, eine Bewertungsstudie)
  • Economists free ride, does anyone else? Experiments on the provision of public goods von Gerald Marwell und Ruth Ames im Journal of Public Economics (über ein Experiment mit egoistischen VWL-Studenten)
  • Global biodiversity change: The bad, the good, and the unknown von Henrique Pereira und Kolleginnen im Annual Review of Environment and Resources (selbsterklärend, denke ich)
  • Rational fools: A critique of the behavioural foundations of economic theory von Amartya Sen in Philosophy and Public Affairs
  • Challenges of simulating complex environmental systems at the landscape scale: A controversial dialogue between two cups of espresso von Ralf Seppelt und Kollegen in Ecological Modelling (hier lohnt es sich auf jeden Fall, sich die Publikation auch anzusehen)
  • und zu guter Letzt mein absoluter all-time-Favorit: An in-depth analysis of a piece of shit: Distribution of Schistosoma mansoni and hookworm eggs in human stool von Stefanie Krauth und Kolleginnen in PLoS Neglected Tropical Diseases (Thema für mich zumindest nicht sonderlich interessant, aber der Titel: herrlich!)

Wie man an meiner kleinen Auswahl merkt, scheint es besonders leicht zu sein, gute Titel zu schmieden, wenn man etwas kritisieren möchte. So gesehen müsste es für mich in diesem Blog ein leichtes sein…

*QWERTY bzw. in Deutschland QWERTZ heißt die für ihre miese Qualität bekannte Standard-Belegung von Computertastaturen

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s