Werbeblock: Wikipedia

Eigentlich halte ich mich nicht für einen Nerd. Doch wenn mich jemand nach meinen Hobbies fragt, fallen mir zuerst zwei ein, die recht nerdy sind: der Blog hier sowie Wikipedia.

Wer sich auf meinem Blog die Verlinkungen in den Beiträgen ansieht, dem wird auffallen, dass sehr viele von ihnen zu Wikipedia-Artikeln führen. Ich kenne kaum eine bessere Quelle von Allgemeinwissen (und in vielen Bereichen auch erstaunlich gutem Fachwissen) als die größte Online-Enzyklopädie der Welt. Sie ist nicht unumstritten, denn sie wird ja von Laien geschrieben – bzw. von Menschen, bei denen man sich nicht darauf verlassen kann, dass sie sich in dem Thema auskennen, über das sie schreiben. Es ist ja auch in Ordnung, wenn man Wikipedia nicht als eine geeignete Quelle für wissenschaftliche Arbeiten hält (obgleich sie meiner Meinung nach für Definitionen sehr gut herhalten kann). Doch wenn man sie, wie ich, „von innen“ kennt, weiß man, dass sie recht verlässlich ist. Es gibt da zwar Unterschiede zwischen den Sprachversionen, aber gerade die deutsche Wikipedia ist eher vorbildlich.

Die acht größten Sprachversionen der Wikipedia. (Autor: Trustable, CC BY-SA 3.0)

Die acht größten Sprachversionen der Wikipedia. (Autor: Trustable, CC BY-SA 3.0)

Ich schreibe seit inzwischen etwas mehr als 3 Jahren Wikipedia. Zunächst beteiligte ich mich vor allem an der polnischen, inzwischen vordergründig an der deutschen Sprachversion. Ich habe insgesamt knapp 160 Artikel neu erstellt, mehr als 3000 Änderungen vorgenommen. Damit will ich nicht angeben – es gibt Leute, bei denen diese Zahlen um Größenordnungen höher sind – sondern lediglich andeuten, dass ich eine gewisse Erfahrung habe, was die Funktionsweise der Wiki anbetrifft. Auf Grundlage dieser Erfahrung konnte ich mir eine Meinung bilden über die Qualität der Arbeit inbesondere der deutschen Wikipedianer. Und die ist sehr hoch.

Ja, es ist wahr: es kann jeder Wikipedia schreiben. Jeder Benutzer, ob angemeldet oder nicht, kann Artikel ergänzen, korrigieren oder sonst verändern. Doch das heißt nicht, dass da „jeder mögliche Scheiß“ drin stehen kann. Wenn ein unangemeldeter oder erst seit Kurzem angemeldeter Benutzer eine Veränderung an einem Artikel vornimmt oder einen neuen Artikel erstellt, muss dieser erst einmal „gesichtet“ werden. Um Sichter-Rechte zu bekommen, muss man ein paar Bedingungen erfüllen – eine bestimmte Anzahl von gesichteten Veränderungen und keine Vandalismen auf dem Konto haben zum Beispiel. Ungesichtete Versionen kann man sich zwar ansehen, aber sie sind deutlich als solche gekennzeichnet. Die gibt es aber in der Regel auch nicht lange, wegen der hohen Anzahl der Sichter, von denen meistens relativ schnell einer mitbekommt, dass da was zu prüfen ist.

Die generell sehr hohe Anzahl an Benutzern (in der deutschen Wiki gibt es derzeit über 2 Millionen registrierte und reichlich 18.000 aktive* Benutzer) führt dazu, dass über die meisten Artikel ständig jemand drüber sieht. Dadurch wird laufend alles Mögliche überprüft und ggf. verbessert: vom Inhalt über Grammatik und Ausdruck bis hin zur Formatierung. Es gibt für fast alles umfangreiche Richtlinien – gleichzeitig ist es auch OK, sie nicht zu kennen und dennoch Änderungen vorzunehmen. Wenn man etwas Sinnvolles beizutragen hat, wird sich schon jemand Anderes notfalls um die korrekten Gedankenstriche und Anführungszeichen kümmern.

Obwohl die Wikipedia zurecht als eine „Laienenzyklopädie“ gilt, beteiligen sich an ihr durchaus auch Experten. Ich für meinen Teil habe einiges aus dem Bereich meiner Diss beigetragen (bspw. die Artikel über umweltökonomische Bewertung oder Choice Experimente). Ein sehr großer Wert wird gerade in der deutschen Wikipedia darauf gelegt, dass man die vorgenommenen inhaltlichen Veränderungen belegen kann – wenn sie nicht gerade als „Allgemeinwissen“ durchgehen können, wird da eine Ergänzung lieber zurückgehalten, als dass sie ohne ordentlichen Beleg aufgenommen würde. Daher kann man sich auf die Informationen in der Wiki in den allermeisten Fällen verlassen. An Aktualität und Detailgrad übertrifft sie jede normale Enzyklopädie auf jeden Fall. Und falls man doch einen Fehler entdeckt, hat man jederzeit die Möglichkeit, ihn zu korrigieren. Oder zumindest eine Information infrage stellen (dazu gibt es zu jedem Artikel die sog. Diskussionsseite).

So viel zum Thema „Warum sollte ich Wikipedia nutzen?“ Nun die andere Frage: Warum sollte man seine Zeit opfern und die Wikipedia erweitern? Insbesondere da, wenn man es nicht nur gelegentlich in sehr kleinem Ausmaß machen möchte, dies einen Lernprozess erfordert – eine Online-Enzyklopädie kann nur funktionieren, wenn sie bestimmten Regeln folgt, und diese Regeln sollte jeder regelmäßig Beitragende kennen. Irgendwann zumindest. Sie zu kennen macht einem die Arbeit leichter, aber es dauert, bis man sie gelernt hat. Also, warum sollte man sich diesen Aufwand machen? Der ultimative Grund für die Leser meines Blogs: um der Mainstream-Ökonomik eine auszuwischen. Sie mag in der Lage sein, das Phänomen Open Source im Software-Entwicklungs-Bereich halbwegs überzeugend zu erklären (siehe dieses Buch), aber dass Tausende von Menschen in ihrer Freizeit enzyklopädische Artikel schreiben, wovon sie nichts Anderes haben als Genugtuung? Dürfte es nicht geben!

Mir selbst hat es schon immer Spaß gemacht, mein Wissen zu teilen. Selbst wenn die Nutznießer dieses Wissens keine Ahnung haben, dass es von mir stammt, macht es Spaß (obwohl ich meine Eitelkeit an dieser Stelle keineswegs leugnen möchte). Wikipedia bietet eine großartige Möglichkeit dazu – genauso übrigens, wie dieser Blog. Außerdem, wenn man Wikipedia selbst viel nutzt, fallen einem irgendwann Lücken auf, die man schließen könnte – warum also nicht? Und es ist faszinierend, dass diese Lücken immer dasein werden – obgleich wahrscheinlich nicht immer so viele wie jetzt (wenn man sich den oben angefügten Graphen ansieht, könnte man annehmen, dass die sich bisher weitgehend linear entwickelnde deutsche Wikipedia bald einen abflachenden Bereich erreicht, zumindest wenn sie grob der Entwicklung der en.wiki folgt). Diese Enzyklopädie wird niemals fertig sein, man wird sie nie ausdrucken können und ins Regal stellen. Ganz abgesehen davon, dass man dafür ein ziemlich großes Regal bräuchte…

P.S. Hier findet man eine Liste aller Sprachversionen der Wikipedia nach Artikelanzahl. Wer mir erklären kann, wie es möglich ist, dass die schwedische die zweitgrößte Version ist, dem wäre ich sehr dankbar…

*Als aktiver Benutzer zählt einer, der in den vergangenen 30 Tagen mindestens eine Änderung vorgenommen hat.

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