Umweltsteuern, Arche Noah und das trostlose Theorem

Am 27. August 2019 verstarb im Alter von 77 Jahren der Harvard-Ökonom Martin Weitzman, eine der interessanteren Gestalten der „Mainstream“-Ökonomik. Er war schon länger auf meiner und vieler anderer Wunschliste für den Nobel-Gedenkpreis für Wirtschaftswissenschaften, insbesondere für seine Beiträge zur Umweltökonomik. 2011 wurde er immerhin mit dem Leontief-Preis ausgezeichnet (zusammen mit Nicholas Stern). Da ich Weitzman in meiner Auseinandersetzung mit der Ökonomik immer wieder begegnete, möchte ich hiermit ein paar seiner besonders interessanten Beiträge kurz würdigen.

Weiterlesen
Werbeanzeigen

Elsevier und die Notwendigkeit kollektiver Lösungen

Aufgrund der vorerst gescheiterten Verhandlungen des DEAL-Verbundes deutscher Forschungsorganisationen mit dem niederländischen Verlagsgiganten Elsevier hat man als Forscherin in Deutschland derzeit keinen Zugang zu Elsevier-Inhalten, die 2018 und 2019 veröffentlicht wurden. Man kommt zwar weiterhin über Fernleihe, Repositorien sowie weniger legale Alternativen an die gewünschten Publikationen heran. Doch der Konsens in der Wissenschafts-Community ist, dass Elsevier ein Problem ist – als Ausdruck der Unterstützung der Open-Science-Ziele sowie als Druckmittel gegen Elsevier entscheiden sich daher viele für zahlreiche Formen des Boykotts. Dabei stößt man als Einzelner jedoch auf Grenzen, wie ich gerade.

Weiterlesen

GAP-Direktzahlungen, Honorierung von öffentlichen Gütern und Einkommensunsicherheit

Auch wenn es nicht so aussieht, als ob die aktuell geplante Reform der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) der EU substantielle Änderungen mit sich bringen würde, werden mit immer lauteren Stimmen die Meinung kundgetan (1, 2, 3, 4), dass die GAP in ihrer Grundstruktur überholt ist. Insbesondere wird die Sinnhaftigkeit und Legitimität des Kerns der GAP, der flächenbezogenen Direktzahlungen an landwirtschaftliche Betriebe, hinterfragt und eine deutliche Schwerpunktverschiebung hin zur Honorierung von öffentlichen (Umwelt-)Gütern gefordert. Bis hin zu einer Abschaffung der Direktzahlungen. Doch so attraktiv diese Idee erscheinen mag, birgt sie Gefahren. Eine davon betrifft die inhärente Variabilität von Erträgen und, damit einhergehend, Einkommen landwirtschaftlicher Betriebe.

Weiterlesen

„Nennen Sie uns Ihre drei wichtigsten Publikationen“

Diese oder eine inhaltlich ähnliche Frage hört man als Wissenschaftlerin öfters – in Bewerbungs-, Entfristungs- oder sonstigen für die Karriere entscheidenden Gesprächen. Doch was heißt „die wichtigsten Publikationen“ überhaupt?

Weiterlesen

Weniger als die Summe der Einzelteile

Schaut man sich das deutsche Wissenschaftssystem an, fällt einem sehr schnell auf, dass es sehr viele Doktorand*innen gibt und relativ wenig Post-docs. Dieser Zustand kann in vielfacher Hinsicht kritisiert werden, u. a. Machtkonzentration in (wenigen) Lehrstühlen sowie Unsicherheit für ebendiese Doktorand*innen, von denen die meisten das Wissenschaftssystem nach der Promotion wieder verlassen müssen. Doch darum wird es in einem späteren Beitrag mal gehen – heute möchte ich mich stattdessen einem eher „technischen“ Problem widmen, das mit dieser Masse an Promotionen einhergeht, nämlich der zu starken Fokussierung auf „neue“ Forschung.

Weiterlesen

To be or not to be: Möchtegern-kreative Titel wissenschaftlicher Artikel

Vor mehr als drei Jahren wies ich hier darauf hin, wie kreativ manche Wissenschaftler*innen bei der Formulierung von Artikeltiteln sind. Doch sind das leider seltene Ausnahmen – in den meisten Fällen sind die Titel wissenschaftlicher Publikationen entweder trocken und dröge, oder aber möchtegern-kreativ. Letzere greifen auf mitunter völlig abgedroschene Phrasen zurück, und um diese soll es heute gehen. Weiterlesen

Agrarumweltzahlungen: ein Instrument für eine nachhaltige Landwirtschaft

Die Europäische Kommission ist gerade dabei, sich zu überlegen, wie die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) ab 2020 aussehen soll. Im Hinblick auf die Vereinbarung landwirtschaftlicher Produktion mit der Bewahrung intakter Ökosysteme waren Agrarumweltprogramme (sog. Agrarumwelt- und Klimamaßnahmen) bisher das Mittel der Wahl – und bisherige Vorschläge der Kommission betonen, dass dies so bleiben soll. Vorliegende wissenschaftliche Evidenz zeigt auch, dass dies an sich eine gute Idee ist – um wirklich effektiv und effizient zu sein, müssten Agrarumweltprogramme allerdings in einiger Hinsicht überdacht und verbessert werden. Die Möglichkeiten dazu sind zahlreich.

Weiterlesen

Eine Kritik globaler Politikanalysen

Es ist manchmal erstaunlich, was man als gestandene Wissenschaftlerin alles publiziert bekommt, und dazu noch in renommierten Zeitschriften. Ein Beispiel: ich bin mir sicher, wenn ich und ein paar meiner No-Name-Kolleg*innen Policy design for the Anthropocene geschrieben und bei Nature Sustainability eingereicht hätten, wäre das Manuskript nach kurzem Prozess abgelehnt worden.1 Vor allem zeigt dieses Paper aber sehr eindrucksvoll, warum Politikanalysen auf globaler Ebene (meist) keinen großen Sinn machen.

Weiterlesen

A synthesis of journal rankings in Agricultural Economics and Environmental & Resource Economics

This text has been published simultaneously on Agrarpolitik and Skeptische Ökonomik.

Bartosz Bartkowski, Nils Droste, Robert Finger1

Rankings of academic journals are often used as indicators for the quality and relevance of publications, and with that researchers and institutions (e.g. Kalaitzidakis et al., 20032). Such rankings may even serve as guidance especially for early-career researchers regarding where to submit their manuscripts. Rankings of this type do not substitute an in-depth quality assessment of publications and journals and their use requires critical reflection (see e.g. Laband 20133). Yet, they still provide valuable information. Next to various rankings based on bibliometric analyses such as the ‘Impact Factor’ (with different data sources and calculation methods), there have been several alternative ranking proposals in the fields of agricultural economics as well as environmental and resource economics. For example, Herrmann et al. (2011) proposed a survey-based ranking for agricultural economics; Halkos and Tzeremes (2012) use a data-envelopment analysis fed by bibliometric information to generate a ranking for agricultural, environmental and resource economics. Here, we present the first attempt to synthesize different rankings for both agricultural economics as well as environmental and resource economics (AERE). Though such synthesis cannot solve the general problems of journal rankings, we believe that it might increase the reliability and thus usefulness of the available information.
Weiterlesen

Die Verdrängung des Bösen

Nachdem ich kürzlich die Besprechung von zwei Büchern veröffentlicht habe, dachte ich mir: Eigentlich eine ganz gute Idee, auf diese Art und Weise die Eindrücke aus verschiedenen Lektüren festzuhalten. Daher erstellte ich eine neue Kategorie „Lektüreberichte“ (Beta-Version, da ich noch nicht weiß, ob ich das durchziehen kann) und mache gleich weiter mit drei Büchern zu einem völlig anderen, ebenfalls gänzlich non-ökonomischen Thema: Zeitzeug*innenerinnerungen an den zweiten Weltkrieg, insbesondere an Kriegsverbrechen. Die Bücher: Harald Welzers Täter, Sönke Neitzels und Harald Welzers Soldaten sowie Marc Philipps »Hitler ist tot, aber ich lebe noch«.

Weiterlesen