Die Verdrängung des Bösen

Nachdem ich kürzlich die Besprechung von zwei Büchern veröffentlicht habe, dachte ich mir: Eigentlich eine ganz gute Idee, auf diese Art und Weise die Eindrücke aus verschiedenen Lektüren festzuhalten. Daher erstellte ich eine neue Kategorie „Lektüreberichte“ (Beta-Version, da ich noch nicht weiß, ob ich das durchziehen kann) und mache gleich weiter mit drei Büchern zu einem völlig anderen, ebenfalls gänzlich non-ökonomischen Thema: Zeitzeug*innenerinnerungen an den zweiten Weltkrieg, insbesondere an Kriegsverbrechen. Die Bücher: Harald Welzers Täter, Sönke Neitzels und Harald Welzers Soldaten sowie Marc Philipps »Hitler ist tot, aber ich lebe noch«.

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Resonanz und Entfremdung

2018 war für mich das „Jahr der dicken Bücher“. Ich habe einige gelesen, für die ich fast schon beschämend lange gebraucht habe – die sich aber dennoch mit Freude und großem Erkenntnisgewinn lesen ließen. Besonders spannend war es, Hartmut Rosas Resonanz und Rahel Jaeggis Entfremdung nacheinander zu lesen. Nicht nur, weil sie ein sehr ähnliches Kernthema – das Phänomen der „Entfremdung“ – haben, sondern auch, weil sie sich gegenseitig aufeinander beziehen. Während Rosa die erste Ausgabe von Entfremdung rezipiert, antwortet Jaeggi ihm im Nachwort der von mir gelesenen zweiten Ausgabe. Zusammen ergeben die beiden Bücher ein faszinierendes Bild eines nicht nur philosophischen, sondern auch genuin gesellschaftlichen Phänomens. Weiterlesen

Ist deliberative Demokratie die Lösung?

Unter den vielen Themen, mit denen ich mich in meiner bisherigen akademischen Karriere auseinandergesetzt habe, sind deliberative Bewertungsverfahren (Deliberative Monetary Valuation) eines der wichtigsten. Mit der Auseinandersetzung mit diesem Typ von ökonomischen Bewertungsmethoden geht meine Begeisterung für Konzepte deliberativer Demokratie einher. Doch je länger ich mich mit dem Thema beschäftige, desto mehr zweifle ich an dem praktischen Potenzial deliberativer Demokratie.

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Honorierung öffentlicher Güter statt Direktzahlungen – und dann?

Seit einer Weile schon häufen sich Forderungen nach einer tiefgreifenden Reform der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) der EU, mit dem Ziel einer Transformation zur nachhaltigen Landwirtschaft. Eine besonders radikale, aber ebenfalls immer häufiger vernehmbare Forderung ist diejenige nach einer Streichung von einkommensstützenden Direktzahlungen (derzeit der Großteil der im Rahmen der GAP an Landwirt*innen fließenden Mittel), die dann durch ein System ersetzt werden soll, im Rahmen dessen die Erbringung öffentlicher (Umwelt-)Güter honoriert würde. An sich eine gute Idee – doch Landwirt*innen haben dann gute Gründe zu fragen, „Und was dann?“

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Frauen in der Umweltökonomik

Dieses Jahr wurde zum zweiten Mal in der Geschichte des Nobel-Gedenkpreises für Wirtschaftswissenschaften ein fast-Umweltökonom ausgezeichnet. William Nordhaus ist ein sehr anerkannter Klimaökonom – gleichzeitig aber, und das ging in den vielen enthusiastischen Medienberichten unter, auch ein umstrittener, insbesondere wegen seiner Position zur sozialen Diskontierung sowie seiner klimapolitischen Empfehlungen (Stichwort climate policy ramp). Doch heute soll es mir nicht um Nordhaus’ Würdigkeit als Preisträger gehen (trotz der Kontroversen ist sie gewiss gegeben) – dazu siehe z. B. Frank Ackermans Buch Can We Afford the Future? Stattdessen möchte ich den Anlass nutzen, um mir die Gender-Balance in der Ökonomik bzw. speziell Umweltökonomik anzuschauen.

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Das WissZeitVG muss weg

Kürzlich „verlor“ ich eine geschätzte Kollegin und Mentorin, die das UFZ gen Ruhrpott verlassen musste. Sie hatte dort eine Professur bekommen, was ja eigentlich gut ist – „freiwillig“ war der Weggang allerdings ursprüglich nicht. Ähnlich erging es vor zwei Jahren einem anderen Kollegen, dessen akademische Karriere gar zu Ende kam – er wechselte zu einem Verlag. Ebenfalls nicht wirklich „freiwillig“. Beide waren seit vielen Jahren engagierte, beliebte und erfolgreiche Wissenschaftler/innen am UFZ. An beider Weggang war das Wissenschaftszeitvertragsgesetz schuld.1 Weiterlesen

Mirowski und Open Science: mehr Schall und Rauch als alles andere?

Philip Mirowski ist vor allem für seine wissenschaftshistorische Kritik der neoklassischen Ökonomik bekannt, insbesondere in More Heat Than Light (schon lange auf meiner Leseliste…). Wenn so jemand einen kritischen Artikel über Open Science schreibt, horche ich naturgemäß auf. Doch stellt sich heraus, dass The future(s) of open science vor allem viel Schall und Rauch ist, ein „old man’s rant“ über bösen Neoliberalismus, der hinter jeder Ecke hervorlugt. Dabei enthält Mirowskis Text durchaus interessante Erkenntnisse – geht aber gleichzeitig sehr selektiv und einseitig mit Open Science um. Weiterlesen

Von guten Landwirten und bürokratischer Belastung

Das Schöne an Wissenschaft ist, dass ein typisches Forschungsprojekt mehr neue Fragen aufkommen lässt, als es ursprünglich beantworten sollte. So auch in einem Versuch, den ich kürzlich mit einem Kollegen unternahm – wir setzten uns zum Ziel, empirische Forschung zu den Determinanten des Verhaltens von Landwirt*innen zusammenzufassen, um daraus Schlussfolgerungen für Agrarumweltpolitik im Bodenschutzkontext zu ziehen. Doch viel spannender als unsere Schlussfolgerungen finde ich die Forschungslücken, auf die wir stießen. Weiterlesen

Wem gehört der Boden?

Dieser Beitrag wurde zunächst auf dem Blog des Ecosystem Service Partnership Deutschland veröffentlicht (ESP DE).

Landwirtschaftliche Böden sind eine essentielle natürliche Ressource, die weltweit stark übernutzt ist. In unserem Artikel widmen wir uns der institutionen- bzw. verfügungsrechtsökonomischen Frage, wem sie gehören und was dies für Konsequenzen für ihre nachhaltige Nutzung hat. Weiterlesen